Steffen Klasberg ist 35 Jahre alt und lebt mit seiner Familie, zu der auch drei Kinder gehören, in Dresden. Steffen ist Bioinformatiker und arbeitet zusammen mit 150 Kolleg:innen im DKMS Life Science Lab, das im Bereich der HLA-Typisierung zu den leistungsstärksten Laboren der Welt zählt. Programme und Algorithmen sind seine Welt und mit seiner Arbeit trägt er dazu bei, die Daten von über 1,2 Millionen Proben potenzieller Stammzellspender:innen jährlich auszuwerten, immer besser, schneller und genauer zu werden und damit ein ganz wichtiger Teil der DKMS Mission zu sein: Gemeinsam Blutkrebs zu besiegen. Wenn Steffen mal nicht programmiert, dann liebt er es, an seinem Haus zu werkeln, auf Konzerte zu gehen oder die Natur zu genießen. Mehr zu Steffen und seiner Arbeit bei der DKMS hat er im Interview erzählt.

Steffen, beschreib doch kurz, was du im DKMS Life Science Lab genau machst?

Das ist eigentlich schnell erzählt: Ich programmiere! Aber im Ernst: Zu meiner Arbeit gehört es, Tools, Programme und Algorithmen zu erstellen, mit denen die Daten ausgewertet werden können, die im Labor generiert wurden.

In der Regel läuft eine Software im Hintergrund und analysiert die Daten, teilweise nutzen die Kollegen auch Tools, um ganz gezielt bestimmte Parameter zu untersuchen. Ein Schwerpunkt dabei ist die Suche nach Allelen. Diese spielen bei der HLA-Typisierung eine wichtige Rolle, die wiederum dazu dient, für bestimmte Patienten geeignete Stammzellspender zu finden.

Wir versuchen, immer die Möglichkeiten von neuen Technologien auszuloten. Im Moment arbeiten wir beispielsweise daran, die Sequenzierung mit Nanoporen für die HLA-Typisierung nutzbar zu machen.

Das klingt spannend. Wie dürfen wir uns deinen Arbeitsalltag vorstellen?

Meine Arbeit findet vorwiegend am Computer statt. Außerdem gehören natürlich auch Meetings dazu, denn wenn viele Abteilungen an einem Projekt beteiligt sind, braucht es Absprachen mit den Kollegen.

Wie groß ist das Team, zu dem du gehörst?

In der Bioinformatik sind wir zu siebt.

Ihr seid alle Bioinformatiker:innen?

Nein. Das ist auch keine Voraussetzung. Den Studiengang „Bioinformatik“ gibt es ja noch gar nicht so lange. Ich selbst habe Molekularbiologie mit Schwerpunkt Bioinformatik studiert.

Und wie bist du zur DKMS gekommen?

Eigentlich war ich in den letzten Zügen meiner Promotion, habe mich dann aber entschieden, direkt in den Beruf einzusteigen. Dabei hatte ich die Anzeige des DKMS Life Science Lab gesehen. Das war irgendwie genau das, was ich suchte.

Was passt bei der DKMS für dich?

Schon während des Studiums hatte ich das Gefühl, dass es schwierig sein könnte, als Bioinformatiker außerhalb von Instituten und der allgemeinen Forschung zu arbeiten. Ich wollte aber nicht an der Universität bleiben, sondern schon etwas sehr zielgerichtetes tun. Die DKMS bot mir eine Aufgabe mit Sinn, wie ich finde. Unsere Forschung ist sehr konkret und sogar offen, es profitieren also nicht bestimmte Auftraggeber, sondern letztlich alle. Das empfinde ich schon als sehr wohltuend.

Ihr teilt eure Forschungsergebnisse ganz offen? Das ist ungewöhnlich, nicht wahr?

Nicht unbedingt. Wir haben keine vordergründigen kommerziellen Interessen, sondern wollen Menschen wirklich helfen. Wir veröffentlichen viele Ergebnisse in wissenschaftlichen Zeitschriften, sind auf Konferenzen und halten da Vorträge. Außerdem es gibt Kooperationen mit anderen Forschern auf diesem Gebiet.

Aber ich gebe zu: Das ist schon anders als einer Firma. Bei der DKMS geht es um eine Sache, die möglichst für viele hilfreich ist: Es wird versucht, die Ergebnisse allen zugänglich zu machen. Das gilt sowohl für die Forschung selbst auch für die Software-Applikationen, die wir entwickeln.

Wie sehen deine Entwicklungsmöglichkeiten als Wissenschaftler bei der DKMS aus?

Wenn uns als Team ein Thema interessiert, das aussichtsreich erscheint, können wir uns damit beschäftigen. Wir werden immer unterstützt, wenn wir gute Ideen haben. Wir nutzen auch den Austausch auf Konferenzen und Kongressen. Das ist allerdings in jüngster Zeit aus bekannten Gründen nicht mehr so häufig der Fall gewesen.

Über die DKMS Familie wird oft gesprochen – kannst du damit etwas anfangen?

Absolut. Wir pflegen alle einen netten und aufgeschlossenen Umgang. Es wird nicht etwas „von oben“ vorgegeben, das umgesetzt werden soll, sondern es ist ein sehr freundliches Miteinander. Das macht das Arbeiten natürlich einfach und entspannt.

Du hast drei Kinder und bist hier als Wissenschaftler tätig, wie findest Du dabei die Balance?

Das ist tatsächlich problemlos möglich. Wir können uns unsere Arbeit in Gleitzeit einteilen und mit unseren privaten Bedürfnissen in Einklang bringen. Wenn ich zum Beispiel meine Tochter in den Kindergarten bringe, fange ich eben danach an zu arbeiten. Sollte ich sie vorzeitig abholen müssen, ist das auch kein Problem. Ich erlebe es so, dass die Familie einen sehr hohen Stellenwert genießt.

Ich habe im vorigen Jahr auch Elternzeit genommen, davon drei Monate in Vollzeit und vier Monate in Teilzeit. Darum musste ich überhaupt nicht kämpfen. Ich hatte eher das Gefühl, dass dies ausdrücklich so gewünscht wird. Mir fällt kein Kollege ein, der das nicht so gemacht hätte.

Ist die Internationalität deiner Arbeit ein Thema für dich?

Die ist mir tatsächlich wichtig. Ich finde es sehr schön, sowohl mit Kollegen aus Deutschland als auch aus anderen Ländern zu tun zu haben. In der Forschung wird internationale Zusammenarbeit großgeschrieben, und der Austausch findet auf Englisch statt. Ich finde das absolut normal.

Wie gefällt dir Dresden?

Dresden ist eine wirklich schöne Stadt, gefällt mir sehr. Es ist nicht zu klein, aber auch nicht so groß. Vor Dresden lebte ich lange im Ruhrgebiet. Mir war bei der Jobsuche durchaus wichtig, in eine größere Stadt zu gehen.

Dresden wird mehr und mehr zum Wissenschaftsstandort. Erlebst du das auch so?

Ja. Neben der Universität mit der Uni-Klinik gibt auch die Technische Universität. Das Forschen und das Entwickeln von Technologien sind hier ein großes Thema. Auch die DKMS setzt in Dresden Standards: Mit der DKMS Stem Cell Bank, der Clinical Trials Unit und dem DKMS Life Science Lab, und es werden immer neue Möglichkeiten getestet.

Danke für deine Zeit, Steffen.