Weder die Pandemie noch der bundesweite Lockdown konnten ihn davon abhalten. Sebastian Slomczyk hat zu Beginn des Jahres Stammzellen gespendet. Immer an seiner Seite: Seine Frau Katharina Tauber-Slomczyk. Sie hat ihn dabei unterstützt und schildert im nachfolgenden Bericht, wie sie die besondere Zeit erlebt hat. Und ihr Appell ist deutlich: „Auch in der Coronakrise benötigen Blutkrebspatienten auf der ganzen Welt dringend unsere Hilfe. Natürlich ist es in dieser Zeit nicht einfach, Spender zu sein, aber mit der Hilfe und Unterstützung von Freunden und Familie kann man auch während der Coronakrise Stammzellspender werden!“

Der Anruf kam Weihnachten. Ich erinnere mich noch ziemlich genau – es war der 23. Dezember 2020, kurz nach 17 Uhr. Wir sind gerade von einem langen Spaziergang mit unseren Kindern nach Hause gekommen. Das Telefon läutete und mein Mann führte ein langes Gespräch mit einer sehr netten Mitarbeiterin der DKMS. Dann stand es fest – er wird Stammzellenspender! Nach Weihnachten fanden weitere Gespräche mit Ärzten und der DKMS statt. Die terminliche Planung wurde endgültig abgestimmt.

Auf seine Entscheidung, zu spenden, folgte ein Organisationsmarathon – schließlich befanden wir uns im Totallockdown unter strengsten Kontaktbeschränkungen. Wir mussten die Kinder in drei verschiedenen Haushalten unterbringen und Familie und Freunde sowie unsere Arbeitgeber kontaktieren. Die Möglichkeit einer Infektion mit dem Coronavirus musste auf ein absolutes Minimum reduziert werden. Nach dem letzten gesundheitlichen Checkup begaben wir uns als Familie in eine Art „freiwillige“ Quarantäne. Diese Wochen waren sehr anstrengend für uns. Fünf Tage vor der geplanten Spende musste mein  Mann mit dem Spritzen beginnen, damit die Blutstammzellen aus den Hohlräumen der Knochen in seine Blutbahn gelangten. Die erste Nacht nach den Injektionen war schwierig. Er hatte leichte Schmerzen in der Hüfte und war von einer großen Unruhe geplagt. An den folgenden Tagen zeigten die Injektionen allerdings keine Nebenwirkungen.

Und dann – an einem Sonntag – ging es los nach Dresden. Aufgrund der zu diesem Zeitpunkt geltenden Beschränkungen konnten wir nur mit Passierschein dorthin fahren. Es war überall gespenstisch leer. Wir waren allein auf der Autobahn. Auch die Stadt war wie ausgestorben. Unser Hotel in der Fußgängerzone beherbergte nur eine Hand voll Gäste, vorwiegend Reisende, die dort aus medizinischen Gründen übernachteten. Nach einem ausgiebigen Frühstück am nächsten Morgen sind wir gemeinsam zur Klinik aufgebrochen. Mein Weg endete an der Kliniktür. Begleitpersonen durften zu diesem Zeitpunkt nicht mit in die Klinik.

Am frühen Nachmittag durfte ich Sebastian schließlich abholen. Er fühlte sich erschöpft, so dass wir unmittelbar zum Hotel aufgebrochen sind. Ich weiß nicht mehr wie viele Stunden er anschließend geschlafen hat – aber es waren einige.

Mein Mann hat auf die Medikamente zur Mobilisierung der Stammzellen sehr gut reagiert. Schon während der Spende stand fest, dass er eine sehr hohe Anzahl an Stammzellen abgeben kann. Ein Teil der Stammzellen wurde daher für mögliche spätere Spenden kryokonserviert.

Wir sind als Familie unglaublich stolz auf diese Erfahrung. Sebastian zweifelte nicht eine Sekunde an seiner Entscheidung für die Stammzellenspende und verschenkte an Weihnachten 2020 Hoffnung – Hoffnung auf Heilung. Auch in der Coronakrise benötigen Blutkrebspatienten auf der ganzen Welt dringend unsere Hilfe. Natürlich ist es in dieser Zeit nicht einfach, Spender zu sein. Aber mit Hilfe und Unterstützung von Freunden und Familie kann man auch während der Coronakrise Stammzellenspender werden!

Am Tag nach der Spende war Sebastian wieder fit für ein wenig Sightseeing – hier am Schloss Moritzburg.

Wer hätte im Dezember 2020 gedacht, dass die Corona-Pandemie im Dezember 2021 immer noch genauso präsent sein würde. Umso schöner ist es, dass unsere Spenderinnen und Spender und deren Umfeld es weiterhin ganz selbstverständlich möglich machen zu helfen, und wir auch in diesem Jahr weltweit jeden Tag 21 Lebenschancen für an Blutkrebs erkrankte Menschen vermitteln können.

Mittlerweile weiß Familie Slomczyk, dass der Empfänger von Sebastian das Krankenhaus verlassen hat und auf dem Weg der Genesung ist. Darüber freuen sie sich sehr und hoffen, dass er in diesem Jahr Weihnachten mit seiner Familie feiern und in ein gesundes, neues Jahr 2022 blicken kann.