Die befreundeten Künstler;innen Ela Rübenach und Klaus Koenen beschlossen in der Corona-Krise eine Aktion zu starten, um auf die Themen Blutkrebs und Stammzellspende aufmerksam zu machen. Mit der Gestaltung kreativer Kunstdosen unterstützen sie seit einem Jahr die Arbeit der DKMS. In einem Gastbeitrag berichtet die Initiatorin Ela, woher die Idee stammt und wie die beiden Künstler bereits mehrere prominente Unterstützer:innen für ihre Aktion gewinnen konnten.

Ich bin Ela, 53 Jahre alt und komme gebürtig aus Mechernich. Ich bin leidenschaftliche Macherin und habe mit meiner Kunst bereits einige Projekte auf die Beine gestellt.

Als das große C auf uns zurollte und es in den ersten Lockdown ging, wurde allen ziemlich schnell klar, dass viele Bereiche darunter leiden würden. Es gab keine groß angelegten Fridays-for-Future-Demonstrationen mehr und die gesamte Unterhaltungsbranche wurde gewaltig auf die Probe gestellt, da keine Kulturveranstaltungen mehr möglich waren.

Es war vorhersehbar, dass es vorerst auch keine öffentlichen Typisierungsaktionen der DKMS mehr geben könnte.

Bei einer Tasse Kaffee am Rhein sitzend beschlossen Klaus, der ein befreundeter Künstler von mir ist, und ich zu handeln. Gemeinsam überlegten wir uns eine Kunst-Aufweck-Aktion. Diese hatte zum Ziel, die DKMS durch die Versteigerung von Kunstdosen, allen in Erinnerung zu rufen und für die Themen Blutkrebs und Stammzellspende zu sensibilisieren.

Wir hatten vor, Banderolen zu gestalten, die wir dann auf Konservendosen kleben wollten.

Uns war schnell klar, dass sich kein Mensch dafür interessieren würde, wenn wir die Banderolen malen würden. Deshalb beschlossen wir, Personen des öffentlichen Lebens den Vortritt zu lassen. Wir planten also ein Spitzentreffen auf der Dose!

Einige Tassen Kaffee später formulierten wir ein Anschreiben, in dem wir unsere ungewöhnliche Aufforderung erklärten und darum baten, an unserem Vorhaben mitzuwirken. Wir brauchten nur noch etwas, das unsere Konserven mit der DKMS verband und daraus wurde dann der Name der Aktion: DKMS Dosen Kunst mit Stil. So sollte die Aktion heißen.

Um das Ganze ansprechend zu machen, übergab ich den Text und die Ideen dem Grafiker Heiner Kirch, mit dem ich mein Haus und mein Leben teile. An seinem Blick konnte ich sehen, dass er ein wenig an meinem Verstand zweifelte. Er war sich aber sicher, dass es keinen Zweck hatte, Einwände zu formulieren. Am nächsten Tag war der Flyer fertig, die Konservendosen wurden bestellt, die Banderolen geschnitten und ab ging die Post!

Bis jetzt sind unserem Aufruf nicht nur die Scorpions und Uschi Glas gefolgt. Auch Udo Lindenberg, Brösel, Hardy Krüger Jr., Heino, Hans Sigl, Guido Maria Kretschmer, Matthias Matschke, Milan Peschel, Katharina Wackernagel, Andreas Winkelmann Ralf Kramp und Frank Zander lieferten Meisterwerke. Für die gute Sache überwanden auch der 1.FC Köln und Borussia Mönchengladbach ihre Rivalität.

Die Kölner Fraktion mit Wolfgang Niedecken, Henning Krautmacher (Die Höhner), Andreas Ganther und Frank Schätzing war auch ganz vorne mit dabei.
Henning Krautmacher überraschte mich sogar zu Hause während der Hausarbeit, weil er seine frisch gespachtelte Banderole schnellst möglich mit der Dose vereinen musste. Nach einer kurzen telefonischen Anmeldung hatte ich ihn eine Stunde später im Garten stehen. Herrlich, ich liebe unkomplizierte Menschen!

Kurz danach sorgte eine Briefsendung einer Anwaltskanzlei aus Hannover für eine Schrecksekunde. Ich war mir keines Vergehens bewusst und freute mich dann umso mehr, als die Scorpions über ihre Kanzlei die gemalte und signierte Banderole mit persönlichen Wünschen zustellen ließen.
In manchen Familien sorgte die Gestaltung der Banderolen mangels Begabung zu kleineren Krisen. Umso mehr haben wir uns über den Wettermann Sven Plöger gefreut, der seine Nichtbegabung mit folgenden Worten ignorierte. Hier ist ein Auszug aus seiner E-Mail:
[…] Ich finde Ihre Idee mit den Dosen und den Banderolen ganz toll. Jetzt habe ich dazu gerade mal auf Ihre Homepage geschaut und einige Banderolen betrachtet. Das führte instant zu einem Schock, denn die sind wirklich toll gestaltet. Nun gibt es bei mir einen riesigen Nachteil: Ich kann ganz gut Meteorologie und Naturwissenschaft und auch im sportlichen Bereich und sogar in Sachen Musikalität und Sprache bin ich nicht immer der letzte in der Schlange. Aber meine künstlerische Begabung liegt – von meiner Kunstlehrerin in Schulzeiten durch eine entsprechende Note nachgewiesen – auf einer Skala zwischen 0 und 10 bei minus 5. Ich bin völlig unfähig, auch nur etwas annähernd Vergleichbares zu produzieren, wie ich es dort zu sehen bekomme. Ich kann schlicht gar nichts malen, was nicht ein Dreijähriger deutlich besser macht. […]
Diese Bemühung fanden wir absolut großartig und dankten ihm für den Mut mitzuwirken.

Wir erhielten auch eine Postzustellung aus England, die allerdings Rätsel aufgab. Der Inhalt war eine Banderole, die aus einer Leinwand gefertigt war. Eine Maus und ein Elefant waren durch eine Infusionsflasche verbunden, wobei nicht klar war, wer da wem hilft. Die Künstler:in hat auf ihrem Werk mit den Worten „All you need is Love“ in Rot ein Statement gesetzt.

Frauenpower gibt es bei uns auch. Wir freuen uns über die Küsse von Isabel Varell, genauso wie über die Beteiligung von beispielsweise Ruth Moschner, Janine Kunze, Margot Käßmann Ulrike Mayfarth und Tahnee. Helene Fischer schickte sogar eine DVD mit.

Bei aller Euphorie und Freude über das, was wir angestoßen haben, gab es natürlich auch einige Rückschläge bis hin zu Anwaltsdrohungen. Klaus und ich könnten ein ganzes Buch mit unseren Erlebnissen füllen.

Zusammenhalt und Engagement ist uns sehr wichtig. In meinem persönlichen Umfeld wurde ich schon oft mit dem Thema Krebs konfrontiert. Immer steht man hilflos daneben und kann nichts tun. Bei dem Thema Leukämie ist es anders. Wer sich typisieren lässt, kann aktiv helfen. In dem Zusammenhang möchte ich die Hilfsgruppe Eifel einmal lobend hervorheben, die mit Ihren großartigen Aktionen schon viel bewirkt hat. Schön, dass es euch gibt!

Weitere Informationen und Fotos der Banderolen können hier gefunden werden:

www.dosenkunstmitstil.de

Mit unserer Aktion wollen wir Mut machen und zeigen, dass Aufgeben keine Option ist.

Wir freuen uns über jeden Einzelnen, der eine Banderole gestaltet und danken von ganzem Herzen dafür. Vor allem freuen wir uns jedoch über Menschen, die sich bei der DKMS registrieren lassen und somit potentielle Stammzellspender sein können.

Also auf geht´s!

Text und Fotos: Ela Rübenach