Hagen Arlandt gilt bei seinen behandelnden Ärzten als „klinisches Wunder“. Über ein Jahr war der 43-Jährige im Krankenhaus und erhielt Chemotherapie. Sein Körper kämpfte mit Blutvergiftungen, Herzversagen und einem Pilz in der Lunge. Als Hagens Leber nach der Transplantation auch noch zu versagen drohte, glaubten die Ärzte kaum mehr an ein Wunder. Aber das Wunder geschah, und Hagens Zustand stabilisierte sich. Er überwand die Leukämie und sein Körper erholte sich. Seine Partnerin Marina war die ganze Zeit an seiner Seite und schildert hier in ihrem Gastbeitrag den gemeinsamen Kampf, den sie schlussendlich gewonnen haben. Ihre Liebe ist gerade deshalb nicht nur zu Valentinstag etwas ganz Besonderes.

Alles begann im März 2017. Hagen und ich waren erst seit ein paar Monaten ein Paar und gerade zusammengezogen. Hagen fühlte sich schlapp, irgendwie krank. Wir dachten es sei eine Grippe. Nach einer Woche bildeten sich an Hagens ganzem Körper Wunden, die verkrusteten.

Sie wurden immer schlimmer und die offenen Stellen zunehmend größer. Wir gingen zum Arzt und ihm wurde Blut abgenommen. Am nächsten Tag fuhren wir ins Krankenhaus, wo weitere Untersuchungen durchgeführt wurden. Nach einer Biopsie vom Knochenmark war klar: Hagen hatte eine akute myeloische Leukämie, die sofort behandelt werden musste. Die Suche nach einem passenden Spender wurde eingeleitet, und er erhielt Chemotherapie.

Da nach der Therapie immer noch Leukämiezellen übrig waren, folgte eine zweite Chemo. Die Folge: Es bildete sich ein Pilz in seiner Lunge, der im Juni 2017 operativ entfernt wurde.

Marina und Hagen blicken in eine glückliche Zukunft

Marina und Hagen blicken in eine glückliche Zukunft

Im Juli schloss eine dritte Chemotherapie an, da die Spendersuche bislang noch keinen Treffer ergeben hatte. Leider erlitt Hagen danach eine schwere Lungenentzündung mit einer Blutvergiftung und Herzversagen. Durch die Chemotherapien war sein Immunsystem sehr geschwächt. Eine Immunabwehr war kaum vorhanden und sein Körper entsprechend anfällig und kraftlos.

Zum Glück schafften es die Ärzte, ihn wiederzubeleben. Aufgrund der körperlichen Strapazen legten sie Hagen ins künstliche Koma. Anderthalb Wochen musste ich warten und hoffen, bis er wieder einigermaßen stabil war. Als wäre das nicht schon schlimm genug, gab es den nächsten Schock: Hagen bekam Krampfanfälle. Weitere eineinhalb Wochen vergingen, bis es einen kleinen Lichtblick gab. Endlich, sein Blutsystem bildete ein paar erste gesunde Zellen.

Nach zwei Wochen holten die Ärzte meinen Mann aus dem Koma zurück. Er erholte er sich erstaunlich schnell und kam wieder zu Kräften. Wieder ein paar Wochen später, bei der nächsten Kontrolluntersuchung, erhielten wir die erlösende Nachricht: Es gab ein passendes Match – oder vielmehr sogar zwei. Schnell wurden die Vorbereitung und ein Termin für die Transplantation vereinbart. Dann gab es wieder einen Schreckmoment: Spender:in Nummer 1 kam leider nicht mehr in Frage, glücklicherweise aber Nummer 2. Mehr wussten wir zu dem Zeitpunkt nicht. Sehnlichst warteten wir auf den Transplantationstag. Wir hofften, dass Hagens Körper eine weitere Chemotherapie zur Vorbereitung auf die Spende verkraften würde.

Am 12. November 2017 spendete Hagens damals anonyme Lebensretterin Laura ihre Stammzellen, die er am nächsten Tag verabreicht bekommen sollte. Leider durchkreuzte ein weiteres Mal eine schwere Blutvergiftung das Timing, ausgelöst durch einen körpereigenen Keim. Sofort musste Hagen wieder auf die Intensivstation verlegt und beatmet werden. Die Ärzte schafften es, Hagen wieder zu stabilisieren. Am nächsten Tag erhielt er die Stammzellen. Er hatte eine Überlebenschance von 50 Prozent. Da der Zustand von Hagens Körper durch die Blutvergiftung und den Keim schlecht war, griff das Transplantat leider seine Leber an. Drei Tage nach der Transplantation waren seine Leberwerte so hoch, dass die Ärzte davon ausgingen, dass er die folgende Nacht nicht überleben würde.

Laura bei der ambulanten Stammzellspende

Laura bei der ambulanten Stammzellspende

Damit wollte ich mich nicht abfinden und bat ihn weiterhin zu kämpfen, bei seiner Tochter, seiner Familie und auch bei mir zu bleiben. Es hatte doch gerade erst mit uns begonnen. Als ich nach Hause fuhr, dachte ich daran, dass es vielleicht das letzte Mal war, dass wir Hagen gesehen hatten.

Meine Mutter, die sehr gläubig ist, ging in die Kirche und zündete eine Kerze für ihren Schwiegersohn an. Wie uns Hagen später berichtete, hatte er in dieser Nacht im Traum meine Mutter in der Kirche sitzen sehen. Am nächsten Tag rief ich früh morgens auf der Intensivstation an und betete, dass Hagen noch lebte. Die Nachricht der Ärztin ließ mein Herz vor Freude tanzen: Hagen lebte, seine Leberwerte waren um einiges besser und die Ärztin meinte, sie hätte niemals damit gerechnet, dass ein Mensch es mit diesen schlechten Grundvoraussetzungen schaffen könnte.

Für das Ärzteteam ist Hagen ein ‚klinisches Wunder‘. Schon als er ins Koma versetzt werden musste, glaubten die Ärzte nicht mehr daran, dass er wieder gesund und eine Transplantation überleben würde. Aber Hagen kämpfte. Er wollte leben! Langsam aber sicher machten die Blutstammzellen in seinem Körper das, was sie tun sollten – sich einnisten, und wieder zu einer gesunden Blutbildung und einem funktionierenden Immunsystem führen.

Nach Ablauf der Anonymität von zwei Jahren nahmen wir Kontakt zu Laura auf. Im Februar 2020 lernten wir sie und ihren Freund Mani Khatibi persönlich kennen. Zwei ganz, ganz tolle Menschen!

Laura ist unglaublich. Sie weiß gar nicht, welches großartige Geschenk sie uns allen mit ihrer Spende gemacht hat. Im Oktober 2020 heirateten Hagen und ich, und natürlich war Laura hier auch dabei. Einfach nur wunderschön!

Hagen und Laura beim ersten Treffen

Hagen und ich möchten mit unserer Geschichte allen Erkrankten und Angehörigen Mut machen. Ihnen mit auf dem Weg geben zu versuchen, immer positiv zu denken, egal wie aussichtslos und schwer der Weg sein wird. Hagen ist das beste Beispiel dafür, was der Wille eines Menschen schaffen kann.

Die bedingungslose Unterstützung gibt die meiste Kraft. Seid stark, auch wenn es sehr sehr hart ist. Es lohnt sich. Und Ihr alle gesunden Menschen: Lasst Euch registrieren, damit Ihr im Fall der Fälle helfen und eine Chance auf ein Weiterleben schenken könnt!

Text und Fotos: Marina und Hagen Arlandt

Marina (33) und Hagen Arlandt (43) leben in Markoberdorf im Ostallgäu. Marina arbeitet als Verkäuferin im Lebensmitteleinzelhandel, Hagen arbeitet wieder als Maschinenbediener in der Automobilbranche und hat eine 17-jährige Tochter. Aktuell befindet er sich noch in der Eingliederungsphase.