Andy Kropf aus Windischeschenbach in der Oberpfalz spendete kürzlich Stammzellen. Zweimal musste der Spendetermin aufgrund des Gesundheitszustandes des Patienten verschoben werden. Im DKMS Insights Blog beschreibt der 29-jährige Elektroniker seine emotionale Achterbahnfahrt und die Hoffnung darauf, endlich helfen zu können.

An einem Freitag Ende Mai bekam ich einen Anruf von der DKMS. Frau Knoesel teilte mir mit, ich sei in der engeren Auswahl für einen an Leukämie erkrankten Menschen. Ich konnte es anfangs gar nicht so richtig begreifen und war erst einmal überrumpelt. Zunächst dachte ich: Mal sehen, wie es weitergeht.

Frau Knoesel sagte mir, sie werde mir ein Paket mit Laborröhrchen zuschicken, mit dem ich zum Hausarzt gehen und mir Blut abnehmen lassen solle, um nochmals genau zu testen, ob ich wirklich perfekt für den Patienten passe. Dazu bekam ich noch zwei Fragebogen zu meinem Gesundheitszustand. Schon am folgenden Dienstag machte ich mich auf den Weg zum Arzt, um mir Blut abnehmen zu lassen. Anschließend brachte ich das Paket gleich zum Briefkasten, und es machte sich auf die Reise nach Dresden ins Labor. Dann hieß es abwarten. Laut DKMS konnte es mehrere Wochen dauern, bis man eine Info bekommen würde, ob alles übereinstimme.

Aber es kam ganz anders. Es dauerte genau drei Tage, und ich bekam den Anruf: „Herr Kropf, Ihre Merkmale passen perfekt!“ Ich konnte es kaum fassen und war furchtbar aufgeregt.

Dann ging es los: Termine für die Voruntersuchung und die Spende wurden ausgemacht. An einem Mittwoch Mitte Juni machte ich mich allein auf den Weg nach Dresden zur Voruntersuchung. Dort angekommen, ging ich noch ein wenig Shoppen und verbrachte den Abend mit Fußballschauen im Hotelzimmer. Am Donnerstag früh fuhr ich dann zur Klinik, wo die Untersuchung stattfand. Es wurde ein allgemeiner Gesundheitscheck durchgeführt: EKG, Urintest, Blutabnahme und ein Ultraschall von den Organen, um zu schauen, ob alles o.k. war. Das alles ist notwendig, um sicherzugehen, dass der Spender zu 100 Prozent gesund für die Spende ist. Nach etwa zwei Stunden war alles vorbei, und ich bekam noch eine schöne Tüte mit circa 20 Spritzen mit nach Hause. Danach machte ich mich wieder auf die Heimreise.

Die Spende war dann zwei Wochen später geplant. Fünf Tage vorher musste ich mit dem Spritzen beginnen, damit die Blutstammzellen aus den Hohlräumen der Knochen in meine Blutbahn gelangten. Aber leider kam es ganz anders!

Einen Tag, bevor ich mit den Spritzen beginnen sollte, erhielt ich um 16 Uhr einen Anruf von der DKMS mit der Info, ich sollte morgen auf keinen Fall starten. Meinem Patienten gehe es nicht gut, und er benötige eine Zwischentherapie. Man könne noch nicht sagen, wie es weitergehen werde. Im August würde ich noch einmal Nachricht erhalten. Nach diesem Anruf war ich einfach nur traurig und deprimiert, da ich bereit war, ein Leben zu retten.

Es dauerte ungefähr eineinhalb Wochen, bis mein Handy klingelte und ich die Nummer der DKMS sah. Ich rechnete mit dem Schlimmsten. Aber nein, dem Patienten gehe es überraschend besser, und sein Zustand sei o.k. für die Spende, teilte man mir mit. Der neue Spendetermin war für Anfang Juli geplant. Ich freute mich, dass es jetzt endlich klappen sollte. Alles lief gut. Ich bekam noch einen Anruf mit der Information, dass meine Stammzellen bei -170°C eingefroren werden sollten. Das mache man in der aktuellen Coronazeit öfters, um sicherzugehen, dass die Stammzellen erst mal in der Patientenklinik ankommen, bevor mit der Chemotherapie des Empfängers begonnen wird. Ansonsten findet die Vorbereitung auf die Transplantation parallel mit dem Spritzen des Spenders statt, und der Patient bekommt die Zellen meist am Tag nach der Spende.

Dann wieder ein Anruf! „Leider müssen wir die Spende verschieben, der Patient hat einen Infekt.“ Ich war einfach nur verzweifelt. Ob es überhaupt noch klappen würde? Frau Knoesel konnte mir aber gleich einen neuen Termin nennen.

Mitte Juli: Aller guten Dinge sind drei! Jetzt lag allerdings meine Blutuntersuchung mehr als 30 Tage zurück, sodass ich die Werte nochmal beim Hausarzt überprüfen lassen musste.

Die Werte waren o.k., der Spende würde jetzt nichts mehr im Wege stehen. Jeden Tag hoffte ich: Jetzt bitte keine E-Mail und kein Anruf von der DKMS, ich will endlich ein Leben retten! Ich hatte Glück; es kam nichts mehr.

An einem Samstag begann für mich das Spritzen mit dem Wachstumshormon G-CSF, damit die Stammzellen aus dem Knochenmark ins Blut übergingen. Zwei Spritzen morgens und eine abends. Mein Körper reagierte prompt: Nach etwa einer Stunde merkte ich das Kopfweh, und Beckenschmerzen setzten ein. Wir wollten eigentlich eine Radtour machen. Die fiel dann flach, weil ich nach etwa drei Stunden gefühlt am Ende war. Ich hatte starke Kopfschmerzen, alle Knochen taten weh, und ich wollte mich einfach nicht mehr bewegen. Das Ganze ging dann drei Tage so weiter. Meine Gedanken waren dabei aber immer: „Hey, was soll’s, alles halb so schlimm! Dein Patient hat bestimmt andere Schmerzen!“ Die Tage 4 und 5 waren dann erträglicher mit leichten Rücken- und Kopfschmerzen.

Dann ging es los! Mein Vater begleitete mich nach Dresden zur Spende, und wir reisten schon am Vortag an. Wir hatten noch einen tollen Tag.

Am nächsten Morgen klingelt der Wecker um 6:15 Uhr. Ich wusste: Jetzt wird es ernst. Die letzten Spritzen wurden gesetzt, und ich wurde immer aufgeregter. Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg in die Cellex Klinik, wo ich schon erwartet wurde. „Bitte nochmal aufs Klo, und dann geht’s los“, waren die Worte der Schwester. Gesagt, getan. Die Schwester führte mich in das Zimmer, in dem unsere „Männerrunde“ stattfand (vier Männer als Spender). Dann wurde uns der ganze Ablauf der Spende erklärt: eine große Nadel links in den Arm und eine kleinere Nadel rechts in den Arm, alles schön fixieren und „Maschine Start!“ Uns wurde noch Blut abgenommen und ausgewertet, wie viele Stammzellen wir nach dem Spritzen mit dem Wachstumsfaktor im Blut hatten. So konnte man uns sagen, wie lange jede Spende ungefähr dauern würde. (Für jeden Patienten wird eine bestimmte Menge an Blutstammzellen benötigt, was vorab schon im Auftrag für den Spender der Entnahmeklinik mitgeteilt wird).

Dann gab die Maschine ihr Bestes und filterte die schönen lachsfarbenen Stammzellen aus dem Blut. In der Zeit schauten wir den Film „Joker“, um uns die Zeit etwas zu vertreiben. Um 10:30 Uhr kam der Anruf aus dem Labor. Die Schwester nahm den Taschenrechner und rechnete, wie lange meine Spende noch dauern würde. „Herr Kropf, noch 55 Minuten, dann haben Sie es geschafft.“ Um 11:35 Uhr war die Maschine fertig, und es dauerte noch fünf Minuten, bis mein Blut wieder vollständig in meinem Körper war. Alle Nadeln wieder raus und erledigt! Die Schwester zeigte mir den Beutel mit meinen Stammzellen, die mein Patient am nächsten Tag bekommen würde. Ein tolles Gefühl!

Wir mussten noch zwei Fragebogen zu den Spritzen und zur Klinik ausfüllen, und zum Abschluss gab es dann noch eine Stärkung: ein Schnitzelsandwich, Naschereien und Getränke.

Wir fuhren zurück ins Hotel, und ich ruhte mich drei Stunden aus, bis der Anruf kam, dass ich morgen nicht mehr zu kommen bräuchte und genug Zellen gespendet worden seien.

Ich, neugierig wie Oskar, rief gleich bei der DKMS an, um zu erfahren, wohin meine Stammzellen gingen. Um halb sechs rief man mich zurück und sagte mir, mein Patient komme aus Deutschland, sei männlich und über 30.

Ich bin stolz auf diese Erfahrung und hoffe, diesem Menschen ein neues Leben schenken zu können und ihn irgendwann kennenzulernen!

Mund auf. Stäbchen rein. Spender sein.

Text und Fotos: Andy Kropf