Philipp Ripkens ist das, was allgemein und liebevoll als Tausendsasser bezeichnet wird. Beruflich ist er als Digital Specialist in der digitalen Welt zu Hause, er ist Autor und Blogger, liebt das Stand-Up-Paddling und rettet Leben – fliegend. Philipp ist ehrenamtlich als medizinischer On-Board-Kurier tätig und transportiert Stammzellen rund um den Globus, damit Patient:innen weltweit eine zweite Chance auf Leben ermöglicht werden kann. Die Coronapandemie hat uns alle vor neue und große Herausforderungen stellt, so auch in diesem Bereich, in dem viele neue und kreative Ideen geschaffen wurden, um die Stammzellen den Empfängern reibungslos zukommen zu lassen. Philipp erzählt in seinem Gastbeitrag von dieser Aufgabe und den Herausforderungen der letzten Wochen und Monate.

In den vergangenen Monaten wurde unser Leben auf eine harte Probe gestellt. Bis dahin war es für mich normal, mehrmals pro Monat als ehrenamtlicher Kurier lebensrettende Stammzellenspenden für an Leukämie erkrankte Menschen rund um die Welt zu begleiten.

Gemeinsam sind wir stark

Aufgrund des Lock-Downs und dem daraus resultierenden Erliegen des Bahn- und Flugverkehrs, galt es plötzlich vom einen auf den anderen Tag neuartige Herausforderungen zu meistern. Gemeinsam machten sich alle Beteiligten (DKMS, Krankenhäuser, Logistik Unternehmen, Fluggesellschaften, Behörden, Kuriere, u.v.m.) daran, diese Mammutaufgabe zu bewältigen. Es ist einfach großartig zu sehen, welche Hebel in Bewegung gesetzt wurden, um auch in dieser besonderen Zeit Stammzellenspenden sicher und schnell zum Empfänger zu transportieren.

Reisen mit Hindernissen

In den letzten Monaten saß ich alleine in leeren Zügen und Flugzeugen und durfte die Grenzen Europas (Polen, Niederlande, Irland, UK, Italien, Türkei) mithilfe von Sondergenehmigungen passieren. Ich übernachtete in Hotels, in denen ich der einzige Gast war und hatte immer wieder meine liebe Mühe, offene Geschäfte zwecks Nahrungsaufnahme zu finden. Mehrfach musste ich nach meiner Rückkehr aus gefährdeten Gebieten in Quarantäne, um die Ansteckung meiner Mitmenschen zu minimieren.

Safety First

Auf meinen Reisen durfte ich die unterschiedlichsten Sicherheitskonzepte erleben mit denen man versuchte, Menschen auf größtmöglichem Abstand zu halten. Zudem habe ich in den letzten Monaten meine persönlichen Daten so häufig wie noch nie zuvor in meinem Leben angegeben und konnte auch vielfältige Möglichkeiten des Fiebermessens kennenlernen. Glücklicherweise bin ich bis heute gesund geblieben und werde auch zukünftig als Stammzellenkurier tätig sein.

Ein Gefühl von purem Glück

Nach vielen Stunden in Zügen, an Flughäfen und in der Luft ist für mich der Moment besonders wertvoll, wenn ich die Stammzellenspende endlich im Empfängerkrankenhaus abgeben kann. Es fühlt sich an, als ob eine zentnerschwere Last von meinen Schultern fällt, weil ich nicht mehr für zwei, sondern nur noch für mein eigenes Menschenleben verantwortlich bin. Aber es ist auch ein Gefühl von purem Glück und Zufriedenheit. Nach erfolgreicher Zustellung habe ich aktuell das besondere Privileg, einige der schönsten europäischen Städte zu besuchen, die praktisch frei von Touristen sind.

Tue Gutes und rede darüber

Ich werde immer wieder gefragt, warum ich bereit bin zu reisen und Gutes zu tun. Die Antwort ist ziemlich simpel! Es macht mich glücklich, sozial aktiv zu sein und mir zeigt dieses Ehrenamt immer wieder auf, was im Leben wirklich zählt – und das ist unsere fragile Gesundheit. Zum Abschluss möchte ich noch einen Herzenswunsch loswerden. Jeder sollte sich typisieren lassen (Hier Link einfügen: dkms.de/de/spender-werden) Es ist so einfach, zum potentiellen Lebensretter zu werden!

Text und Fotos: Philipp Ripkens