Hendrik Eisel ist Metalfan und ließ sich beim Wacken Open Air (W:O:A) bei der DKMS registrieren – ein Jahr später erzählt er beim Festival bereits von seiner Spende. Nur wenige Monate nach seiner Registrierung beim Wacken Open Air wurde Hendrik Eisel Stammzellspender – und lernte er seine große Liebe kennen. Im Gastbeitrag erzählt er von den emotionalsten 12 Monaten seines Lebens.

Nun, wo soll ich also anfangen? Ich bin seit vielen Jahren in einer kleinen Motorradgruppe in meinem Heimatdorf im Westerwald aktiv. Wir sind eine lustige kleine Truppe, die einfach Spaß am Leben hat, am Motorradfahren und allem, was zu diesem Lifestyle dazu gehört. Bis zu dem Tag, an dem bei einer von uns wegen eines Bandscheibenvorfalls operiert werden sollte. Doch statt Operation erhielt er die schreckliche Diagnose: Leukämie. Diese Nachricht traf uns damals sehr hart, doch dank einer Stammzellspende seine Schwester konnte er die Krankheit soweit bekämpfen, dass es ihm heute wieder recht gut geht. Für mich war von da an klar: ich möchte einen Beitrag leisten und aktiv gegen Blutkrebs kämpfen.

Wackenfan Hendrik

Vor dem DKMS-Stand beim Wacken Open Air

Registrierung beim Wacken Open Air

Als leidenschaftlicher Metal Fan fuhr ich 2018 zum dritten Mal in den Norden Deutschlands zum Wacken Open Air und genoss das Festival mit meinen Freunden in vollen Zügen und entdeckte direkt am ersten Tag einen Infostand der DKMS. Ich wusste sofort, dass das ein Zeichen ist und es genau jetzt an der Zeit war, mich als Stammzellspender registrieren zu lassen. Ich hatte gesehen, was diese Krankheit einem Menschen antun konnte und ich wollte anderen Patient:innen unbedingt helfen. Also zog ich durch. Mund auf Stäbchen rein Spender sein. Eine Viertelstunde später war ich fertig und feierte beim Festival weiter.

Nur ein halbes Jahr später bekam ich eine E-Mail der DKMS, in der ich darum gebeten wurde, mich telefonisch zurück zu melden. Das tat ich natürlich umgehend und man sagte mir, dass ich in der engeren Auswahl für eine Stammzellspende sei. Ich war erstaunt: Nur ein halbes Jahr nachdem ich mich registriert hatte, sollte ich helfen können? Von diesem Moment an sollten die 12 spannendsten Monate meines Lebens werden.

Am Freitag den 21.06.2019 gegen 17 Uhr klingelte mein Handy erneut: Ich war auf einem Motorrad-Treffen in Siegburg und wusste zunächst gar nicht, wer mich denn da anrufen würde. Ich nahm ab und eine Frau erklärte mir, dass ich nach den Vortests nun für die Spende ausgewählt wurde und es zeitnah losgehen solle. Ich war völlig aus dem Häuschen, eine wilde Mischung aus Freude und Euphorie durchströmte meine Körper und vor lauter Freude feierte ich an diesem Abend als gäbe es kein Morgen mehr. Doch als sei das nicht genug des Guten gewesen für ein Wochenende, sollte mich das Leben direkt noch weiter beschenken.

Stammzellen spenden – und eine ganz besondere Frau kennenlernen

Am nächsten Tag und nur wenige Stunden nach dem Telefonat mit der DKMS lernte ich die Schwester eines Freundes kennen, der das Motorrad-Treffen mit organisierte. Ich verstand mich sehr gut mit ihr. Bis dahin war ich mein Leben lang Single gewesen – aber das sollte sich schon bald ändern. Am selben Abend erhielt ich außerdem weitere Informationen der DKMS. Die Voruntersuchung sollte in Köln stattfinden. Nur eine halbe Stunde entfernt vom Wohnort des Mädchens. Also nahm ich all meinen Mut zusammen und fragte sie, ob ich sie nach meiner Untersuchung zum Essen einladen dürfe. Was soll ich sagen, sie sagte zu. Alles lief einfach super.

Wenige Wochen nach der Voruntersuchung sollte die Spende stattfinden. Ich begann also, wie es mir erklärt worden war, ein paar Tage vor der Spende mit den Vorbereitungen. Jeden Morgen und jeden Abend gab ich mir streng nach Vorschrift die Spritze und hatte erstaunlicherweise so gut wie kein Nebenwirkungen. Wo man mir doch vorher erzählt hatte, dass es durchaus anstrengend werden könnte, denn das vorbereitende Medikament kann grippeähnliche Symptome verursachen.

Der Tag der Spende kam. Ich fuhr schon einen Abend vorher mit einer Begleitung in das Hotel, in dem für uns Zimmer gebucht waren und bevor es am nächsten Morgen mit der Spende losgehen sollte, kam mein Schwarm noch vorbei und wir gingen gemeinsam etwas essen.

„Ich war der glücklichste Mensch der Welt“

Man hatte mich darauf vorbereitet, dass der Entnahmeprozess bis zu fünf Stunden dauern könne. Doch was dann geschah, hätte ich niemals erwartet: Nach einer halben Stunde kam eine Krankenpflegerin zu mir an den Platz. Selbst total erstaunt sagte sie mir, dass ich innerhalb der nächsten halben Stunde bereits fertig sein würde, da innerhalb kürzester Zeit eine Wahnsinnsmenge an Stammzellen entnommen werden konnte und sich der ganze Prozess auf eine Stunde verkürzt hatte. Mir ging es blendend, das Verfahren hatte keinerlei Nebenwirkungen bei mir ausgelöst und ich ging kurz nach der Spende ins Hotel zurück. Zu meiner Überraschung war das Mädchen wieder zum Hotel gekommen und überraschte mich dort, nachdem ich ihr geschrieben hatte, dass ich bereits fertig sei. Wir gingen aufs Zimmer und als ob der Tag nicht schon super genug gelaufen wäre, sagte sie mir: ich möchte gerne mit dir zusammen sein. Ich war der glücklichste Mensch der Welt.

Ein Jahr danach: Spontan als DKMS-Botschafter beim W:O:A

Man sollte meinen, dass dies ein perfektes Ende für meine Geschichte sein sollte, aber es geht tatsächlich noch weiter. Auf dem Wacken Open Air 2019 war die DKMS auch wieder dabei. Da bei mir ja nun mal alles gerade mal eine Woche her war, wollte ich am Stand vorbeischauen und mal sehen, wie es so lief. Wieder war es der Donnerstag der Wacken Woche. Ich kam zum Stand und wurde auch direkt begrüßt. Man fragte mich, ob ich mich typisieren lassen wolle. Mit einem Lachen antwortete ich: Ich bin bereits registriert und habe vor einer knappen Woche gespendet.

Was dann passierte erstaunte mich tatsächlich. Ein Mann kam auf mich zu und sagte mir: „Wie geil ist das denn, dass du hier bist. Mir wurde bereits erzählt, dass ein Wacken-Spender erst vor Kurzem gespendet hat, aber wir wussten ja nicht, dass du da sein wirst.“ Man sagte mir, dass ich der 34. Wacken-Spender gewesen sei – Aber der erste, der innerhalb eines Jahres spendete und eine Woche nach der Spende bereits wieder beim Festival feierte. Kurzerhand verbrachte ich viel Zeit am Stand der DKMS und half dabei, andere Menschen zu informieren und erzählte von meinen Erfahrungen. Es waren tolle Gespräche und wieder mal eine geniale Woche und für mich der perfekte Abschluss für ein perfektes Jahr!

Vor dem DKMS-Stand

v.l.n.r.: Hendrik Eisele, Nils Haarhues, Robert Adam und Florenz Burzinski

Ich danke allen, die sich die Zeit genommen haben meine Geschichte zu lesen und die daran interessiert waren. Ich danke den vielen Menschen, die mich auf diesem Weg begleitet haben und den Mitarbeiter:innen der Klinik und der DKMS, die eine super Arbeit leisten. Ich hoffe es geht in dieser schwierigen Zeit allen gut und sie sind gesund und bleiben es auch.

Ach ja. Inzwischen weiß ich, dass es meinem genetischen Zwilling gut geht. Sollte er irgendwann mal Kontakt wünschen, bin ich da und freue mich darauf.

Text: Hendrik Eisel