Maximilian Jung ist gerade volljährig geworden, als er sich bei der DKMS registriert. Einige Jahre später kommt er als Spender in Frage. Doch die Spende wird wieder abgesagt – und ein Jahr später erneut angesetzt. Doch auch beim zweiten Anlauf gibt es Hürden. In seinem Gastbeitrag berichtet der 26-jährige Weimarer, wie er nach einigem Hin und Her doch zum Lebensretter wurde.

Wenn man sich bei der DKMS registriert, hofft man irgendwie schon, dass es irgendwann zu einer Spende kommt. So ging es mir zumindest. Dass es tatsächlich so und dann auch noch so relativ schnell passiert, hatte ich wiederum nicht erwartet.

Ich hatte mich kurz nach meinem 18. Geburtstag bei der DKMS registriert. Ein paar Jahre zuvor hatten sich meine Brüder und mein Vater bei einer groß angelegten Aktion an meiner Schule typisieren lassen. Ich selbst war noch zu jung, aber da entschied ich schon für mich: „Das machst du auch!“ Schließlich bestellte ich mir, gerade volljährig, ein Typisierungsset bei der DKMS. Ein paar kleine Stäbchen auspacken, ein paarmal durch den Mund reiben, das Ganze wieder verpacken und an die DKMS schicken. Eine Weile später erhält man einen Spenderausweis. Alles eher unspektakulär.

Anders sah es dann aus, als ich mit 25 die Nachricht erhielt, dass ich nun tatsächlich als Spender in Frage komme. Plötzlich ging alles ganz schnell: Meine Hausärztin nahm mir Blut ab, das erneut zur genaueren Bestimmung meiner Merkmale untersucht wurde. Und nach einer Weile gespannten Wartens war schließlich klar: Ich wäre tatsächlich ein geeigneter Spender. Für einen ganz konkreten Patienten.

Im Weiteren Prozess waren alle sehr zuvorkommend. Ich wurde über die beiden Entnahmeverfahren informiert, wie der Ablauf sein würde und dass man sein Einverständnis jederzeit widerrufen könne. Allerdings müssen Spender bedenken, dass ihr Patient, wenn die Vorbereitungsphase zur Transplantation begonnen hat, ohne eine Stammzellspende in der Regel nicht überlebt. Für mich stand aber ohnehin fest: Ich habe mich registriert, weil ich spenden möchte und ich werde keinesfalls kneifen, wenn es jetzt tatsächlich möglich ist.

Schließlich reiste ich zu einem letzten Gesundheitscheck zu einem der Spendezentren, um dort auf meinen Gesundheitszustand geprüft und ausführlich über die Spende aufgeklärt zu werden. Anschließend erhielt ich meine Medikamente zur Stammzellanreicherung. Mein Arbeitgeber hatte mich für den Tag bereitwillig freigestellt und alles war aufregend und gut, bis plötzlich ein Anruf kam. Die geplante Spende sollte nun doch nicht stattfinden und ich würde zunächst doch keine Medikamente erhalten. Der gegenwärtige Zustand des Patienten ließe das nicht zu. Nach ein paar Tagen gab es dann die Gewissheit: Die Spende ist nicht nur verschoben, sondern fällt komplett aus.

Anders als von mir befürchtet, ging es dem Patienten tatsächlich aber besser, sodass die Stammzellspende zunächst nicht mehr als nötig erachtet wurde. Für mich hieß das letztlich, dass es zwar nicht zu meiner Spende kam, der Patient aber dennoch zu genesen schien. Eigentlich ein guter Deal. Schließlich wurde ich in der Spenderkartei wieder freigegeben, um vielleicht eines Tages für jemand anderes spenden zu können. Das war im November 2018.

Doch es sollte anders kommen. Ein knappes Jahr später erhielt ich einen Anruf einer mir gut bekannten Nummer. Es war die Mitarbeiterin der DKMS, die meinen Fall zuvor schon begleitet hatte. „Mein“ Patient war nun an einem Punkt, wo er doch dringend eine Stammzellspende bräuchte. Ich willigte sofort ein.

Dann musste es zügig gehen. Wieder wurde ich untersucht und aufgeklärt, doch dieses Mal erhielt ich tatsächlich auch das Medikament Granocyte, um Stammzellen in meinem Blut anzureichern. Nach ein paar Tagen sollte ich anfangen, mir dieses zu verabreichen, um dann meine Zellen durch eine Apherese spenden zu können.

Doch wieder gab es einen Dämpfer. Der Zustand meines Patienten schien unklar. Nachuntersuchungen mussten gemacht werden, sodass der geplante Termin zur Gabe der Zellen nicht eingehalten werden konnte. Um meine Spende schließlich doch wie geplant zu ermöglichen, wurde vorgeschlagen, meine Zellen durch Kryokonservierung aufzubewahren, bis sie dem Patienten verabreicht werden können. Ich willigte ein.

Die Spende selbst war schließlich recht entspannt. Letztlich fühlte es sich nicht viel anders an als eine normale Blutspende, nur dass ich nun in jedem Arm eine Kanüle stecken hatte und die ganze Prozedur etwa drei Stunden dauerte. Doch die Zeit verging rasch und ich fühlte mich dann schnell wieder fit. Schließlich erfuhr ich noch, dass es sich bei meinen Patienten um einen jungen Mann handelte. Etwa mein Alter. Zufrieden fuhr ich nach Hause.

Max bei seiner Stammzellentnahme

Kurz vor Weihnachten 2019 hat mein Patient die Stammzellen erhalten. Das war mit Sicherheit das sinnvollste Geschenk, das ich je gemacht habe. Ich hoffe, er wird sich noch viele Jahre daran erfreuen können. Ich wünsche es mir für ihn. Besonders gespannt bin ich, ob ich eines Tages von ihm hören werde. Ob er alles gut überstanden hat und mich vielleicht sogar kennen lernen möchte.

Wie es auch kommt, ich bin froh, dass ich diese Spende erbracht habe. Selten ist es so einfach, mit wenig eigenem Risiko so viel Gutes für einen anderen Menschen zu leisten. Ich kann nur jeden dazu aufrufen, sich gut zu überlegen, ob man sich nicht vielleicht doch für die DKMS registrieren lassen möchte. Oder sich als Organspender bereit zu erklären. Oder regelmäßig zur Blutspende zu gehen.

Zumindest aber sollte man sich mit diesen Themen beschäftigen und sich im Klaren sein, dass man mit einer Aktion, die für einen selbst ganz klein und unkompliziert zu sein scheint, für jemand anderen einen riesigen Unterschied ausmachen kann.