Normalerweise retten wir bei der DKMS Menschenleben. In der Abteilung Workup sorgen mein Team und ich dafür, dass Blutkrebspatienten überall auf der Welt die passenden Stammzellspenden erhalten. Und normalerweise steige ich nur im Privatleben in Neoprenanzüge: Seit 23 Jahren bin ich passionierte Taucherin – am liebsten „in Höhlen oder mit Haien“. Jetzt allerdings gab es die perfekte Möglichkeit, mein Hobby im Kampf gegen Blutkrebs einzusetzen: Gemeinsam mit meinem Tauchpartner Alex tauchte ich nach Golfbällen, damit diese frischpoliert als sogenannte Lake-Balls wieder verkauft werden können. 5700 kleinen weißen Bällen schenkten wir so „eine zweite Lebenschance“ – und der DKMS die 855 Euro, die wir als Dankeschön dafür erhielten.

Unzählige Golfbälle landen jeden Tag im See des Tübinger Golfclubs Schloss Kressbach nahe der Zentrale der DKMS. Nur die wenigsten Golfer schlagen ihre Bälle tatsächlich darüber und ich vermute, dass 90 Prozent der Bälle im Wasser landen. Mittlerweile sind da bestimmt Zehntausende drin, wahrscheinlich ist auch schon der Wasserspiegel gestiegen.

An einem schönen Herbstmorgen breche ich daher gemeinsam mit meinem Tauchpartner Alex und zusätzlich als „Oberflächensupport“ mit meiner Kollegin Isabelle Petit und deren Partner Andi zur Golfball-Expedition auf. Um halb elf tauche ich gemeinsam mit Alex unter – und wir steigen erst bei Sonnenuntergang wieder aus dem See. Unter Wasser fühlt sich das ganze dann in etwa so an, als kniet man sich auf eine Rollenmatte, da unglaublich viele Bälle auf der Teichfolie liegen. Und sobald man einen Ball wegnimmt, kommt eine Sedimentwolke hoch und man bewegt sich dadurch meist blind vorwärts.

Ausgestattet sind wir dabei mit Trockentauchanzügen – die sind wie eine Mischung aus Skioverall und Gummi-Spülhandschuhen. Man bleibt also tatsächlich trocken. Drei Bälle passen pro Griff in meine Hand, die man fasst blind greifen und dann im Netz ablegen muss, während man sich weiter durch Schlick und Sediment des Golfsees gründelt. Sobald ein Netz voll ist, übernimmt das Team an Land die schwere Fracht und fährt sie mit dem Golfcaddy zur Sammelstelle.

In den USA ist das Golfball-Tauchen sogar ein richtiger Beruf. Und ein lukrativer noch dazu: Etwa zwei Euro kostet ein Lakeball. Um deren Aufbereitung kümmern wir uns allerdings nicht mehr. Wir geben unsere Beute bei Gerhard Beck, dem Besitzer des Golfclubs ab – und erhalten 15 Cent pro geretteten Ball.

Als kleines Dankeschön dürfen wir vier anschließend im Golfclub zu Abend essen – und sind uns einig: Es war ein gelungener Tag mit jeder Menge Spaß! Und nicht zu vergessen: mit einem wahrlich außergewöhnlichen Einsatz im Kampf gegen Blutkrebs!

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