Kürzlich wurde Simone, eine meiner langjährigsten und besten Freundinnen, doch tatsächlich zur Spende aufgerufen. Als ich 2008 bei der DKMS anfing, war meine Arbeit und die Stammzellspende oft Thema bei Familie und Freunden. Einige von ihnen entschieden sich damals dazu, sich registrieren zu lassen – so auch Simone. Aber irgendwie war das längst wieder in Vergessenheit geraten.

Dabei ist es gar nicht so ungewöhnlich, dass zwischen Registrierung und Spende so viel Zeit liegt. Meine fast elfjährige Erfahrung bei der DKMS hat mir gezeigt, dass sogar nur ein Prozent aller registrierten Spender überhaupt jemals „dran kommt“.  Oft sind die Spender junge Männer unter 30. Diese werden gerne von den behandelnden Ärzten für Patienten ausgewählt, weil sie aufgrund ihres größeren Körpervolumens mehr Stammzellen produzieren und abgeben und oft dickere Venen mitbringen, was die Entnahme erleichtert.

Und doch gibt es Ausnahmen: Simone, wie ich Anfang 40. Bei den Voruntersuchungen stellte sich heraus, dass sie laut Ärztin einen eher langsamen Blutfluss hat. Das würde eine eher lang andauernde Stammzellentnahme bedeuten. Fest stand dennoch: Simone war der „Sechser im Lotto“ für den Patienten, der auf eine Stammzellspende angewiesen war.

Ihre Entnahme dauert nur rund zwei Stunden

Ich war ein wenig aufgeregt, freute mich und war total stolz auf meine Freundin, die ohne zu zögern zusagte. Trotz vieler beruflicher und privater Projekte und einem lebhaften Familienleben mit ihrem achtjährigen Sohn nahm sie sich die Zeit für die Spende. Zunächst musste Simone noch einige Untersuchungen durchführen lassen. Dabei gingen ihr auch Gedanken durch den Kopf wie: „Was ist, wenn bei mir eine Krankheit festgestellt wird?“ Schließlich lässt man sich ja nicht jeden Tag beim Arzt komplett durchchecken. Diese Ungewissheit wurde ihr aber schnell genommen. Kerngesund wurde sie für die Spende zugelassen.

Vor der Spende wartete eine weitere Herausforderung auf Simone – das Spritzen. Das übernahm ihr Freund Ingo und pikste sie an fünf Tagen zweimal täglich in die Bauchdecke, um ihr das Medikament zu verabreichen, das die Stammzellen mobilisiert. Der Zellwachstumsfaktor zeigte Wirkung: Simone verspürte schon am ersten Tag ordentlich Druck in den Beinen. Dann in den Schulten, im Kopf und den Armen. Sie nahm es aber tapfer hin, meisterte ihren Alltag ohne zu klagen und freute sich auf die Spende.

Endlich war es soweit: Morgens um 10.00 Uhr wurde Simone in Köln in der Klinik erwartet.

Simone wurde an den Zellseparator angeschlossen. Und die Frage war: Würde der Fluss in Schwung kommen und genug Zellen gesammelt werden können? Und ob! Simones Körper hatte das Medikament anscheinend so gut angenommen, dass sie nur innerhalb von zwei Stunden die benötigte Zellzahl abgeben konnte.

Geschafft! Etwas müde, aber glücklich konnte Simone wieder nach Hause und erfuhr noch am selben Tag, dass ihre Stammzellen einer Frau in Deutschland zugutekamen.

Ein Update über den Gesundheitszustand der Patientin wird Simone in ein paar Monaten von der DKMS erfahren können.

Für ihren Freund Ingo ist Simone eine Heldin, genauso wie für mich. Auch wenn das Spritzen durchaus Nebenwirkungen hatte, standen die Spende und das gute Gefühl, jemandem helfen zu können, immer im Vordergrund.

Simone mit ihrem Freund Ingo

Simone drückt der Patientin fest die Daumen und hofft, dass sie wieder gesund wird.

Und wer weiß: Vielleicht möchte sie Simone irgendwann einmal kennenlernen. Das wünsche ich meiner Freundin sehr, und natürlich würde ich mich auch riesig freuen, dabei sein zu dürfen.

Auch für mich bist Du eine Heldin, liebe Simone – als Freundin und als Spenderin!

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