Erkrankt ein Patient an Blutkrebs, folgt auf den ersten Schock im Familien- und Freundeskreis der dringende Wunsch, zu handeln. Tatenlos zusehen, wenn im weltweiten Suchlauf kein passender Spender gefunden wird, möchte niemand. Wenn keines der Geschwister und auch kein Fremdspender passen, sind die Sorge und damit der Tatendrang besonders groß, denn in vielen Fällen kann der Patient nur überleben wenn ein „genetischer Zwilling“ gefunden wird, der zur Stammzellspende bereit ist.

Allein in Deutschland findet immer noch jeder zehnte Patient keinen passenden Spender. Wenn sich also die Frage stellt, was man tun kann, kommt oft die Idee auf, eine öffentliche Registrierungsaktion zu organisieren. Denn mit jedem Neuspender steigt die Chance, dass ein Patient eine neue Lebenschance erhält. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit, auf einer selbst organisierten Aktion den passenden Spender für „seinen“ Patienten zu finden, sehr gering ist, löst allein die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden, zusätzliche Motivation und Hoffnung aus. Und natürlich möchte man auch für andere Patienten suchen, die ebenso auf einen Spender warten. Ein Solidaritätsprinzip, das funktioniert.

Bei der DKMS kümmert sich eine eigene Abteilung um Aktionsanfragen aus dem Patientenumfeld: Das Aktionsteam der Spenderneugewinnung. In Absprache mit den lokalen, ehrenamtlich tätigen Initiativgruppen organisieren die Aktionsbetreuer öffentliche Registrierungsaktionen im Wohnort des Patienten. Eine Initiativgruppe besteht in der Regel n der Regel aus vier bis acht Personen, wobei jeder schwerpunktmäßig andere Aufgaben übernimmt. So kann sich beispielsweise einer um die Helfer kümmern, einer um die Öffentlichkeitsarbeit und einer um Geldspenden.

Vorab gibt es dazu ein persönliches Vorgespräch, in dem der DKMS-Mitarbeiter der Initiativgruppe genau erklärt, welche Maßnahmen im Vorfeld zu treffen sind.  Darüber hinaus erhalten die Initiativgruppen einen schriftlichen Leitfaden, der die wichtigsten Infos zur erfolgreichen Organisationsvorbereitung und -durchführung beschreibt.

Gut was los: Am Registrierungstag kommt es u.a. darauf an, dass genügend Helfer im Einsatz sind und die Spender sich schnell und problemlos registrieren können.

Darin wird zum Beispiel die Bedeutung einer guten Pressearbeit oder der Umgang mit Werbematerialien (z.B. Flugblatt) erklärt, um so die Menschen vor Ort  auch rechtzeitig aufzuklären und zu informieren. Geht der Patient mit seinem Schicksal und einem Foto an die Öffentlichkeit, wofür natürlich sein schriftliches Einverständnis vorliegen muss, können Tausende von Menschen mobilisiert werden, die sich dann hoffentlich am Aktionstag als potenzieller Lebensretter in die Datei aufnehmen lassen.

„In den sozialen Netzwerken steckt unglaublich viel Potential für Registrierungsaktionen“, erklärt Magdalena Misiura, die zum Team Olinemarketing der DKMS gehört. „Mittlerweile hat fast jeder in unserem Umkreis einen Facebook– oder einen Instagram-Account und genau dort muss über das Schicksal von Blutkrebspatienten gesprochen werden. Meine Aufgabe ist es, den Initiatoren zu zeigen, mit welchen einfachen Mitteln sie eine digitale Welle um ihre Aktion auslösen können.“ Am Ende zählt: Jeder muss im unmittelbaren Umfeld des Patienten offline und online davon erfahren, dass man sich kinderleicht als Stammzellspender registrieren lassen kann.

Für den Registrierungstag selbst wird zunächst ein passender Termin (am besten am Wochenende) mit zwei bis drei Wochen Vorlaufzeit festgelegt. Parallel dazu wird nach einer geeigneten, kostenfreien Räumlichkeit inklusive Mobiliar gesucht, ebenso wie die Nutzung des Mobiliars. Dazu kommt die Suche nach ehrenamtlichen Helfern, die z.B. die Registrierungen der Spender vornehmen, beim Auf- und Abbau helfen oder auch nur einen Kuchen verkaufen, um so Geldspenden zu sammeln. Es kommt nicht selten vor, dass über 100 freiwillige Helfer im Einsatz sind.

Nach der Aktion zählen die Aktionsbetreuer der DKMS gemeinsam mit der Initiativgruppe die Geldspenden. Damit werden die Registrierungskosten (35 Euro pro Neuspender) finanziert.

Der Aufwand lohnt sich: Fast jeder zweite Neuspender bei der DKMS lässt sich vor Ort registrieren (z.B. in Schulen, Unis, Vereinen, Firmen), weil ihm die persönliche Verbindung und auch das Gemeinschaftsgefühl wichtig sind. Allein 2017 gab es über 70 Patientenaktion und mehrere Hundert weiterer Aktionen. „Damit machen wir die DKMS erlebbar“, erklärt Konstanze Burkard, Teamleiterin der DKMS Spenderneugewinnung in Köln. „Die Menschen vor Ort sind jedes Mal begeistert davon, welche Dynamik entsteht, wenn jeder hilft und anpackt. Dadurch erzielen wir noch mehr Aufmerksamkeit und zwar flächendeckend in ganz Deutschland.“

Und schaffen so Jahr für Jahr hunderttausende neuer Lebenschancen für Betroffene.

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