Unter dem Motto „Jetzt bist Du am Zug – Setz ein Zeichen gegen Blutkrebs“ rollte zum diesjährigen DKMS World Blood Cancer Day (WBCD) ein DKMS-Sonderzug eine Woche lang quer durch die Republik, stellte die Relevanz des Themas „Stammzellspende“ heraus und motivierte zur Registrierung. Rund 700 Menschen ließen sich daraufhin an den Stationen in München, Stuttgart, Köln, Leipzig, Hamburg und Berlin als potenzielle Lebensretter in die DKMS aufnehmen. Zahlreiche Prominente, Politiker, Sportler und Musiker begleiteten die Aktion und sorgten damit für weitere Aufmerksamkeit.

Ein entscheidender Faktor für den Erfolg der Aktion war dabei für Thomas Koenen das „Herzblut“. Zusammen mit seiner Agentur beCAUSE-wir.tun.was. und dem Hauptsponsor RailAdventure steckte der Manager aus München jede Menge „Herzblut“ in die Organisation des Sonderzuges. Wir haben mit Thomas Koenen gesprochen, über dieses Herzblut, Gemeinnützigkeit und das Engagement im Kampf gegen Blutkrebs.

Herr Koenen, woher kommt all dieses Herzblut?
Wenn das Herz für eine Sache schlägt, gibt es auch immer ausreichend Herzblut. Ich konnte eindeutig einen Pulsanstieg spüren, als ich vor vielen Jahren, Mitte der 90er Jahre, die Idee hatte, der Gesellschaft und den Menschen, denen das Leben nicht so wohlgesonnen ist, etwas zurückzugeben. Damals arbeitete ich in einer Führungsposition bei einem US-Softwareunternehmen – unnötig zu erklären, wie aufreibend mein Arbeitsalltag aussah. Und ich denke, genau dieser Moment zwischen Termin A und Termin B brachte mich auf den Gedanken, dass es doch noch mehr geben muss. Zum Beispiel mehr Erfüllung im täglichen Tun. Und so nutzte ich meine Management-Position, um Mitarbeiter und Kollegen zu motivieren, gemeinsam etwas zu tun, zu „schaffen“ – und nicht nur den geschäftlichen Erfolg als Maß aller Dinge zu akzeptieren. Damit brachte ich das Thema CSR „Corporate Social Responsibility“ ins Rollen.

Thomas Koenen mit seinen Kindern Melanie und Marlon – auch sie hat er bereits früh für die „gute Sache“ begeistert

Und schnell nahm es einen äußerst erfüllenden Teil meines Lebens ein. Als Team erfolgreich zu sein im täglichen Geschäftsleben war gut – aber nichts im Vergleich zu dem, was wir gemeinsam auf die Beine stellen konnten: einem schwerstkranken Jungen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, gemeinsam mit älteren Menschen etwas zu erleben oder einem Krankenhaus zu ermöglichen, ein dringend benötigtes Transplantationszimmer zu errichten. Viele kleine und große, sehr wunderbare Momente, die ich miterleben durfte und die mir umso mehr gezeigt haben, was für mich wirklich von Wert und Bestand ist – und worin ich den wahren Sinn des Lebens sehe: Menschen zu helfen, Freude zu schenken und Liebe zu geben. Wir alle können etwas tun, können vieles bewegen. 

Jetzt haben Sie die DKMS unterstützt, wie ist es dazu gekommen?
In unserer modernen Gesellschaft gibt es extrem vielschichtig gelagerte, relevante Themen, für die ich mich interessiere und die mich motivieren, mich zu engagieren. Dazu zählt auch die Arbeit der DKMS. Warum? Weil es eigentlich so simpel ist. Jeder von uns kann mit verschwindend geringem Aufwand und Risiko ein Lebensretter sein. Ist das nicht ein wahnsinnig beflügelnder Gedanke? Die DKMS leistet seit Jahren großartige und unermüdliche Aufklärungsarbeit, denn nur wer in der Datenbank registriert ist, kann für einen wartenden Blutkrebspatienten gefunden werden und im Falle des richtigen Matches ein Leben retten. Und genau das ist meine Motivation.

v.l. Sabine Freude, Kay Beutling, Simone Henrich (alle DKMS), Alex Dworaczek (RailAdventure), Thomas Koenen

Ich verfüge über ein großes Netzwerk, bestehend aus Firmen unterschiedlicher Größe und Branche. Und ich bin optimistisch, mit meinem Enthusiasmus sowohl Firmeninhaber wie auch Mitarbeiter zu aktivieren, in ihrem Umfeld eigene Registrierungsevents durchzuführen. Dies erbringt nicht nur viele neue potenzielle Lebensretter und Hoffnung für wartende Patienten, sondern führt auch zur Steigerung der firmeninternen Motivation – denn für ein Unternehmen, das sich um das Wohl anderer Menschen kümmert, arbeitet man gerne.

Was war es für ein Gefühl, zu sehen, dass die Menschen zum DKMS-Sonderzug gekommen sind, um sich registrieren zu lassen?
Das Gefühl ist schwer zu beschreiben – ich denke, es war eine Mischung sämtlicher Emotionen. Fangen wir mal an mit Hoffnung: darauf, dass wir es schaffen würden, so viele Menschen wie möglich anzuziehen und dass der Strom der sich Registrierenden nicht abreißen möge. Dann natürlich Freude! Eindeutig. Es ist bewegend zu sehen, wie Menschen kommen, in ihrer Mittagspause, zwischen zwei Zugverbindungen, geplant oder zufällig und mit dem Willen zu helfen. Dann war da natürlich auch ein wenig Stolz – die Aktion war ja nicht gerade mit wenig Aufwand verbunden und es gab durchaus einige Parameter, die hätten schief gehen können. Aber es ist alles gut gegangen – der Zug war immer am richtigen Ort zur richtigen Zeit, bestückt mit allem, was es brauchte, um die potenziellen Spender zu registrieren.

Thomas Koenen (2. von links) beim Halt des Sonderzuges in Berlin

In der Summe also ein sehr bestätigendes, motivierendes Gefühl. Auch hinsichtlich der medialen Wirkung, die wir nicht zuletzt all den Prominenten aus Film, Musik, TV, Sport und Politik zu verdanken haben. TV-Berichte, Pressebeiträge und die Verbreitung über die Sozialen Medien haben ihre Wirkung nicht verfehlt  – dementsprechend ließ sich ein Anstieg der Registrierungen im Verlauf der Reise verzeichnen. Und nicht nur das – rund um den DKMS World Blood Cancer Day sind die Online Set-Bestellungen zur Registrierung stark angestiegen. Also wenn das kein Ansporn ist für die Zukunft!

Welches Erlebnis haben sie dabei besonders in Erinnerung?
Das war eindeutig die Erstbegegnung der zehnjährigen Marie Luise, die im Alter von fünf Jahren an Leukämie erkrankte, mit ihrer Lebensretterin Ioana in Berlin. Die Stammzellen der 28-Jährigen ermöglichten es dem Mädchen, wieder zurück ins Leben zu treten. Ich denke, ich muss nicht ausführen, welche Emotionen hoch kamen. Ihre Strahlkraft war für uns alle umwerfend, lebensbejahend  – und einfach unvergesslich.

v.l. Thomas Koenen mit Empfängerin Marie Luise und Spenderin Ioana

Haben Sie darüber hinaus eine persönliche Verbindung zum Thema Blutkrebs?
Zum Thema Blutkrebs gibt es keine direkte Verbindung – das Thema Krebs jedoch bewegt mich schon seit Jahren sehr. Mein Vater ist 1994 an Darmkrebs gestorben, meine Mutter 2012 an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Beide konnte ich nur noch auf diesem schweren letzten Weg begleiten. Hilfe zu leisten im Sinne von Leben retten war in beiden Fällen leider ausgeschlossen. Nun aber habe ich die Möglichkeit, direkt etwas zu tun und meinen Beitrag zu leisten.

Aktuell berührt mich besonders der 20-jährige Korbinian, den ich 2016 in München bei einem Fotoshooting mit Patienten kennen lernen durfte. Nachdem er 2014 die Erstdiagnose bekam und mit einer Langzeittherapie über zwei Jahre behandelt wurde, hieß es zunächst im Oktober 2016: „Du hast es geschafft! Jetzt ist es vorbei!“. Trotz all dieser Widrigkeiten begann er ein Medizinstudium an der LMU und brachte dafür erst einmal sein Abitur erfolgreich unter Dach und Fach.

Für Korbinian wurde ein passender Spender gefunden

Doch kurz vor dem Start unseres DKMS-Sonderzuges bekam er zum zweiten Mal die Diagnose Blutkrebs. Sein Lebensmut ist stark und ungebrochen, aber seine erneute Krebserkrankung zwingt ihn, das Krankenhausbett zu hüten. Vor einigen Tagen erreichte uns die wunderbare Nachricht, dass zwei passende Stammzellspender für Korbinian gefunden wurden und er wird nun für die Transplantation vorbereitet. Dafür wünsche ich Ihm und seiner Familie alles erdenklich Gute.

Herr Koenen, herzlichen Dank für das Interview!

 

Thomas Koenen lebt in München und unterstützt mit seiner Social Cause Agentur beCAUSE-wir.tun.was. gemeinnützige Projekte, Einrichtungen und Unternehmen in Sachen Corporate Social Responsibility mit aktuell relevanten und nachhaltigen Projekten und Events.

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