Eine geplante EU-Verordnung zur Reduzierung von Plastikabfall sorgt aktuell für öffentliche Aufmerksamkeit. Unter anderem wird ein Verbot von Kunststoff-Wattestäbchen diskutiert. Auch die DKMS arbeitet bei der Registrierung neuer Spender mit Watteträgern. Doch unsere „Wattestäbchen“ machen den Unterschied…

Drei Wattestäbchen (engl. Buccal Swabs) in einem Set. Nicht spektakulär und irgendwie auch bekannt. Wirklich? Denn es sind keine normalen, sondern ganz besondere Wattestäbchen – jedes einzelne von ihnen ist enorm wichtig. Nur mit ihnen kann man DKMS-Spender und somit eventuell zum potenziellen Lebensretter werden. So wie weltweit über 947.000 neue DKMS-Spender allein im Jahr 2017.

Tausende Sets mit Wattestäbchen kommen täglich in unserem Dresdner Labor, dem DKMS Life Science Lab, an. Der erste Schritt auf dem Weg zum Stammzellspender, der schon bald irgendwo auf der Welt einem Menschen eine zweite Chance auf Leben geben kann.

Die DKMS setzt die so genannten Swabs bereits seit 2007 zur Registrierung neuer Spender ein – zunächst ergänzend zum Verfahren der Blutabnahme und für die Online-Registrierung, seit Oktober 2017 ausschließlich. Und dabei entwickeln und setzen wir auf immer besseres Material, um im Typisierungsprozess das bestmögliche Ergebnis einer Spenderprobe zu erhalten. Ohne Swabs geht nichts mehr!

Die Profi-Wattestäbchen sind etwas ganz besonderes. Genau genommen sind sie auch gar keine WATTEstäbchen. Sie werden als Medizinprodukt in Italien hergestellt. Das funktioniert so: Auf ein Plastikstäbchen werden an einem Ende synthetische Fasern gespritzt, dieser Teil bildet das Köpfchen des „flocked Swabs“ (FLOQSwabs). Durch das Aufspritzen der Fasern –  ein Faserende klebt am Stäbchen, das andere zeigt in die Luft – wirkt das Köpfchen wie ein kleines Bürstchen. Und mit genau diesem Bürstchen sollen neue DKMS-Spender ganz gründlich und gewissenhaft ihre Wangenschleimhaut abstreichen. Auf jeder Wangenseite mindestens eine Minute lang.

Ohne sie geht nichts: „Buccal Swabs“ und ihre wichtige Aufgabe

Mit den besonderen Wattestäbchen lässt sich genetisches Material – in diesem Fall Epithelzellen der Mundschleimhaut – nicht nur besonders gut aufnehmen und festhalten (Stichwort: Kapillarwirkung), sondern die Zellen lassen sich auch wieder in einem entsprechenden Medium lösen. Genau diese Arbeitsschritte finden im DKMS-Labor statt.

Dadurch erhalten wir in der Regel eine ausreichend hohe DNA-Konzentration pro Probe, die wir brauchen, um all die Informationen (HLA-Merkmale und andere Marker) darin abzulesen, die letztlich in der Datenbank für die Suche nach dem passenden Spender zur Verfügung gestellt werden.

Wattestäbchen sind praktisch. Einfach anzuwenden und auch einfach zu verschicken. Aber für ein Labor, das größere Mengen qualitativ hochwertiger DNA benötigt, sind sie nicht so einfach. Früher hatten wir Wattestäbchen im Einsatz, bei denen lange Fasern um das Stäbchen gewickelt waren. Das Material ließ sich ähnlich gut aufnehmen, aber die Zellen blieben hängen und ließen sich schlechter herauslösen. Um das Verfahren besser und stabiler zu machen, haben wir umfangreiche Tests durchgeführt. Verschiedene Swab-Typen, verschiedene Zeiten der Probennahme, simulierte Transportzeiten und -bedingungen. Gleichzeitig haben wir unsere Methoden zur DNA-Extraktion optimiert, sodass wir die Vorteile von Swabs in der Anwendung bei herausragender DNA-Qualität und -Menge nutzen können.

In eine solche Optimierung fließen auch viele „Kleinigkeiten“ ein, die in Summe große Auswirkungen haben. Zum Beispiel musste früher bei jedem einzelnen Wattestäbchen das „Köpfchen“ mit einer Schere abgeschnitten werden. Bei unseren FLOQSwabs sind die synthetischen Fasern auf ein „massives“ Stäbchen aufgebracht, dadurch ließ sich dann auch eine Soll-Bruchstelle realisieren. Das lästige Abschneiden wird durch einfaches Abbrechen ersetzt – in einem einzigen Arbeitsschritt und ohne zeitaufwändige und lästige Desinfektion von Scheren.

Rund 44 Prozent aller bestellten Wattestäbchen-Sets kommen nicht zurück

Ganz wichtig auch: Potenzielle Neuspender, die sich ein Buccal Swab-Set zur Registrierung nach Hause bestellt haben, sollten es unbedingt auch zurücksenden.

Denn durchschnittlich rund 44 Prozent aller bestellten Wattestäbchen-Sets kommen nicht zurück – eine traurige Statistik. Dabei dauern das Ausfüllen der Einverständniserklärung und der Abstrich mit den Wattestäbchen keine zehn Minuten. Und: Sets, die bestellt, aber nie zurückgeschickt wurden, verursachen bei der DKMS jährlich unnötige Kosten in Millionenhöhe.

Ganz wichtig vor dem Hintergrund aktueller Diskussionen: Die Registrierungsstäbchen der DKMS sind CE-gekennzeichnete Medizinprodukte. Somit handelt es sich nicht um „Q-Tips“ sondern um High-Tech Fasern. Die Registrierungsstäbchen dienen der Gewinnung von Wangenschleimhautzellen. Aus diesen Zellen kann das DKMS-Labor eine Gewebemerkmalsanalyse vornehmen und so Menschen als Stammzellspender registrieren.

Mit Hilfe der DKMS-Registrierungsstäbchen werden Leben gerettet!

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