Demet Kaygusuz ist Mitarbeiterin des DKMS-Teams zur Stammzellspenderneugewinnung. 2017 haben sie und ihre Kollegen vom Online-Marketing in Deutschland 541.370 neue Stammzellspender aufgenommen – im Durchschnitt rund 1500 Menschen täglich. Im Interview berichtet Demet, die selbst türkische Wurzeln hat, über die Neuregistrierung türkischstämmiger Spender.

Wie erreicht die DKMS die Menschen mit türkischstämmigem Hintergrund?

Auf unterschiedlichen Wegen. Zum einen über die türkischen Medien, die in Deutschland empfangen werden und natürlich die deutschen Medien. Zum anderen über persönliche Schicksale. Wenn ein Türkei stämmiger Patient einen Spender benötigt, ist die Anteilnahme und Sensibilisierung unter den Türken sehr hoch. Das ist in anderen Kulturen genauso, die regionale Verbundenheit spielt dabei eine große Rolle. Vorteilhaft ist außerdem, dass bei der DKMS auch türkischsprechende Mitarbeiter sind. Dadurch gewinnen wir Vertrauen.

Gibt es Kooperationen, um vor allem türkischstämmige Spender für die DKMS zu gewinnen?

Ja, der  Kontakt zu Organisationen und Vereinen ist für uns besonders wichtig. Sie helfen uns dabei, mehr Menschen zu erreichen und aufzuklären. In der Vergangenheit hatten wir beispielsweise Kooperationen mit religiösen Dachverbänden und türkischen Konsulaten. Heute erfolgt die Aufklärungsarbeit im Wesentlichen über unsere klassischen Wege: Schulen, Sport, Unternehmen, Universitäten und soziale Medien. Eine ausschließliche Ansprache auf Türkisch ist allerdings kaum mehr notwendig, da insbesondere die sprachlichen, aber auch kulturellen Barrieren abgebaut sind.

Fast 3.000 neue Spender haben sich im März 2018 für Arda und andere Blutkrebspatienten in Sigmaringendorf registrieren lassen; Foto: Schwäbische Zeitung

Gibt es prominente Unterstützer?

Ja, wir haben viele Unterstützer mit türkischen Wurzeln, beispielsweise den Grünen-Politiker Cem Özdemir oder die Moderatorin Nazan Eckes. Es ist wichtig, dass sich bekannte Persönlichkeiten an die türkische Community richten, damit sie auf das Thema aufmerksam werden.

Wie ist die Motivation und welchen Aufklärungsbedarf haben andere Bevölkerungsgruppen?

Bei einigen Bevölkerungsgruppen existieren noch Sprachbarrieren, gerade bei älteren Menschen. Deshalb haben wir auch türkischsprachiges und englischsprachiges Informationsmaterial. Die jüngere Zielgruppe hingegen ist  genauso aufgeklärt und hilfsbereit wie alle anderen Bevölkerungsgruppen auch. Besonders motivierend wirkt der Zusammenhalt unter Türkei stämmigen Menschen in Deutschland. Viele von Ihnen sind in Sport- und Kulturvereinen  organisiert und gut vernetzt. So lässt sich viel bewegen.

Vielen Dank für das Interview!

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