Thusiba Nadeswaran ist Lebensmittelchemikerin und arbeitet im Bereich Legal & Regulatory Affairs in Warburg. Die junge Frau mit Sri Lankischen Wurzeln begeistert sich für Sport, schaut gerne Filme und hört Musik – und sie verreist gerne. Von einer ganz besonderen Reise hat sie uns erzählt. Denn Thusiba ist Stammzellspenderin und hat ihren „großen Bruder“, dem sie mit ihrer Spende eine zweite Chance auf Leben schenken konnte, in Indien besucht.

Im Februar 2012 habe ich mich bei einer Registrierungsaktion für einen Familienvater in meinem Heimatort Dillenburg registrieren lassen. Zwei Jahre später wurde ich dann von der DKMS kontaktiert und informiert, dass ich möglicherweise für einen Patienten passte. Nach einem Monat der Ungewissheit, der mir wie eine halbe Ewigkeit vorkam, passte ich tatsächlich als Spenderin! Freude, aber auch etwas Angst machte sich vor der bevorstehenden Knochenmarkspende breit.

Am 18.08.14 war es dann soweit, vor lauter Aufregung konnte ich den Tag zuvor gar nicht schlafen. Kurz nachdem ich aus der Narkose aufwachte, wollte ich wissen, an wen ich gespendet habe. Ich war überrascht zu hören, dass mein Knochenmark für einen 40-jährigen Mann auf dem Weg nach Indien sei. Mir gingen viele Fragen durch den Kopf, ob er eine Familie hat, wie er erkrankt ist und was er wohl vor seiner Erkrankung gemacht hat. Ich hoffte, dass es ihm bald wieder gut geht und beschloss nach der Entlassung aus der Klinik einen Brief mit Genesungswünschen zu verfassen. Ich fühlte mich aufgrund des Blutverlusts schlapp und spürte einen leichten Schmerz am Rücken, der sich wie ein Muskelkater anfühlte. Ich empfand es aber als einen kleinen Aufwand im Vergleich zu den Schmerzen, die der Patient während der Chemotherapie durchstehen muss.

Albert mit Thusiba und Familienfreundin Jassy (Mitte) in Orissa

Ich erfuhr während der Zeit unseres anonymen Briefwechsels, dass mein „großer Bruder“ und seine Frau Ärzte sind und zwei Kinder haben. Es konnte einfach jeden treffen, von einem Tag auf den Anderen wurde er zum Patienten. Ich fieberte dem Tag der Aufhebung der Anonymität entgegen. Der Tag fiel symbolisch auf einen besonderen Feiertag in Indien zu Ehren der Bruder-Schwester-Beziehung namens raksha bandhan (raksha bedeutet ‚Schutz‘, bandhan ‚Verbindung‘). In einem feierlichen Ritual bindet dabei die Schwester ihrem Bruder ein Armband, das rakhi um, und segnet ihn.

Seine Frau Geetu stellte den ersten persönlichen Kontakt her. Auf einmal hatte mein „großer Bruder“ einen Namen – Albert Dsouza. Nach einem regen Austausch über ein Jahr stand fest, dass wir uns auch gerne persönlich kennenlernen wollten. Ich buchte im Sommer letzten Jahres meine Tickets, um nach meinem Abschluss ihn und seine Familie zu besuchen. Die Vorfreude wurde zunächst durch den ganzen Stress um meine Abschlussarbeit gedämpft. Im November war es dann aber soweit, ich saß endlich im Flieger nach Indien. Ich war doppelt aufgeregt, da es auch meine erste Reise nach Indien war. Ich fragte mich, ob wir uns wohl persönlich auch sympathisch finden würden und wie die erste Begegnung sein wird.

Thusiba mit Alberts Kindern Anu (Ananya) und Lakshya

Selbst jetzt kann ich nicht in Worten beschreiben, was für ein tolles Gefühl es war, sich nach Jahren des Bangens gegenüber zu stehen.  Komischerweise fühlte es sich einfach so an, als ob wir uns bereits unser ganzes Leben lang kannten. Ich wurde sehr herzlich als neues Familienmitglied empfangen und den Verwandten und Freunden vorgestellt. Ich hatte eine unvergessliche Zeit mit ihm und seiner wunderbaren Familie. Unsere Beziehung hat sich nach dem Treffen verstärkt und wir haben weiterhin regelmäßig Kontakt.  Ich freue mich durch die Spende nicht nur ein besonderes Band mit Albi, sondern auch mit seiner Familie zu teilen, die mir sehr ans Herz gewachsen sind.

Es gibt leider noch viel zu viele Leute, die weiterhin eine Stammzellspende benötigen. Die Spende ist lediglich ein kleiner Aufwand im Vergleich zu dem, was die Patienten und Angehörigen durchstehen müssen. Da die Wahrscheinlichkeit zu passen mit einem Lottogewinn gleichzusetzen ist, ist es besonders wichtig, dass es möglichst viele potenzielle Spender gibt.

Ich hoffe, dass unsere Geschichte viele weitere Menschen motiviert, sich registrieren zu lassen!

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