Frankfurt, Dienstag, 13. Februar 2018: Die Maschine KE 905 hebt ab in Richtung Seoul, es liegen 11 Stunden Flug und im Anschluss 14 spannende Tage in Südkorea vor mir. Die Reise führt mich zu den Olympischen Winterspielen 2018 in PyeongChang, und dass im Auftrag der DKMS – denn wir sind Charity-Partner des Deutschen Hauses und dürfen somit für die Zeit der Spiele vor Ort sein. Das Ziel: Aufmerksamkeit auf unser Thema lenken, Sportler und weitere Unterstützer gewinnen und vor allem die Zahl der Registrierungen in unserer Datei steigern. Dazu wurde die Kampagne „Gold fürs Leben – Team DKMS braucht Verstärkung“ gestartet, an der sich seit Jahresbeginn Sportler aus dem Winter- und Sommersport mit viel Herzblut beteiligen.

Schon im Flieger ist das Thema Blutkrebs und Stammzellspende Gesprächsthema. Beim Ausfüllen der Zollerklärung schaut mein koreanischer Sitznachbar interessiert auf meinen DKMS-Kugelschreiber und fragt „What’s DKMS? Is that a company?“ Und so erkläre ich ihm, was wir konkret tun und wie auch er helfen kann. Die Unterhaltung endet mit dem Hinweis auf die Koreanische Stammzellspenderdatei, dem Korea Marrow Donor Program (KMDP), und dem festen Vorsatz seitens des Geschäftsmannes, sich dort registrieren zu lassen.

Teamfoto: die DKMS-Mitarbeiter Karsten Meier, Simone Henrich, Florentine Hirsch und Angelika Jacobi (v.l.n.r.).

Seoul, Donnerstag, 15. Februar 2018: Mittlerweile ist auch meine Kollegin Florentine Hirsch aus London eingetroffen. Zusammen geht es mit dem Mietwagen auf die 250 Kilometer lange Strecke Richtung PyeongChang, um dort unsere Kollegen Angelika Jacobi und Karsten Meier abzulösen, die seit Beginn der Spiele als DKMS-Vertreter vor Ort sind. Das bedeutet für uns zunächst eine Fahrt einmal quer durchs Land und dass größtenteils im Stau, denn durch das gerade stattfindende koreanische Neujahrsfest sind viele Menschen unterwegs zu ihren Familien, um gemeinsam den Jahreswechsel zu feiern.

Ein weiteres Ausflugsziel für viele an diesem Wochenende: Olympische Sportveranstaltungen – insbesondere Eishockey und Eiskunstlaufen sind beliebt bei den Koreanern und locken die Menschen zu den Spielstätten. Das hat zur Folge, dass an der Autobahnabfahrt PyeongChang der Stau noch mal besonders stark wird und sich die letzten drei Kilometer bis zum Deutschen Haus zu einem echten Geduldspiel entpuppen.

Angekommen im Deutschen Haus erwarten uns auch viele bekannte Gesichter – denn zahlreiche teilnehmende Athleten machen schon bei der Kampagne „Gold fürs Leben“ mit und kennen unsere Arbeit. Dazu ein kurzer Exkurs: Vom 11. Bis zum 25. Januar 2018 hatten wir die Gelegenheit, bei der Einkleidung des Team Deutschland im Münchener Postpalast dabei sei zu können. Schon damals hatten wir mit vielen Sportlern und Unterstützern sprechen und für unser Anliegen begeistern können.

Darunter beispielsweise Goldmedaillengewinnerin Mariama Jamanka. Die 27-Jährige hatte schon vor Beginn der Spiele über ihre Sozialen Netzwerke auf die DKMS und die Kampagne „Gold fürs Leben“ aufmerksam gemacht. Logisch, dass sie uns mit ihrer Teamkollegin Lisa Buckwitz auch in PyeongChang einen Besuch am Stand abstattet. Rührend ist die Jubelszene kurz zuvor beim Empfang des siegreichen Teams im Deutschen Haus. Annika Drazek – ebenfalls Bobfahrerin und DKMS-Unterstützerin – fällt den beiden um den Hals und feiert sie für ihren grandiosen Erfolg. Kurz zuvor hatte Drazek im gleichen Wettbewerb knapp die Bronzemedaille verpasst und den vierten Platz erreicht.

Rodler Johannes Ludwig präsentiert stolz seine beiden Medaillen.

Mit gleich zwei Medaillen um den Hals macht auch Rodler Johannes Ludwig einen Zwischenstopp bei uns. Sensationell: Im Einsitzer hatte der Oberhofer zunächst die Bronzemedaille gewonnen sowie einige Tage später zum Abschluss der Rodelwettbewerbe und als Krönung seiner Karriere die Goldmedaille gemeinsam mit Natalie Geisenberger sowie den Doppelsitzern Tobias Wendl und Tobias Arlt. Sichtlich bewegt berichtet uns der zweifache Familienvater davon, was unmittelbar vor den Starts in seine Erfolgsfahrten in ihm vorgegangen war. „Ich habe mich auf etwas Schönes konzentriert – meine Familie – und habe so zur inneren Ruhe gefunden“, sagt er.

Kurz darauf richtet sich ein Filmteam häuslich bei uns ein. Team Deutschland-Fanreporter Philipp Reinheimer hat die Snowboarderin Sabrina Cakmakli im Schlepptau und macht gemeinsam mit ihr und mir im Interview in einem seiner täglichen Clips auf die Notwendigkeit der Registrierung aufmerksam, zu sehen auf dem Facebook-Kanal von Team Deutschland sowie unter auf der offiziellen Internetseite. Kurzentschlossen bestellt sich Sabrina danach online ein Registrierungsset nach Hause. „Klasse, dass Du auch dabei bist, Sabrina“, sagt daraufhin Philipp, der schon während der Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio von den Sparkassen als Fanreporter losgeschickt wurde und vor Ort unter anderem die DKMS interviewt und einen Beitrag zur Arbeit und den Hilfsmöglichkeiten im Kampf gegen Blutkrebs gemacht hatte.

Zum Hintergrund: Damals waren wir ebenfalls Charity-Partner des Deutschen Hauses. „Stäbchen rein, Spender sein – das geht doch total easy“, bringt es die 23-jährige Garmisch-Partenkirchenerin mit türkischen Wurzeln auf den Punkt. Sie berichtet uns auch darüber, was ihr die Teilnahme an den Winterspielen in PyeongChang bedeutet: „Es ist wirklich etwas ganz Besonderes, hier dabei sein zu können. Und 2022 in Peking möchte ich natürlich wieder antreten.“

Sportliche Highlights und interessante Begegnungen bestimmen allgemein das Tagesgeschehen. So setzt sich eines Tages die Mutter eines Athleten und frisch gebackenen Medaillengewinners zu uns an den Tisch. Sie hat Fragen zu ihrer Registrierung sowie ihrer verloren gegangenen Spendercard und so sind wir schnell im Gespräch. Unter anderem berichtet sie darüber, wie überwältigend es für sie als Mutter ist, dass sich ihr Kind seinen großen Traum erfüllt hat. Sie schätzt, dass es noch Tage bis Wochen dauern wird, bis die Familie all diese unvergesslichen Eindrücke verarbeitet hat.

„Erste Hilfe“ leisten wir kurz darauf den mitgereisten Angehörigen einer weiteren Athletin – bestehend aus Mutter, Schwester und Freundinnen. Die Sportlerin ist zu uns an den Stand gekommen, um auf unserem extra mitgebrachten goldenen DKMS-Würfel zu unterschreiben. Zufällig erfahren wir: Auf dem Hinflug ist der Koffer der Mutter abhanden gekommen. Neben warmen Winterklamotten befindet sich darin auch ein extra angefertigtes Banner, um die Tochter während ihres Wettbewerbs anzufeuern. Kurzerhand wird improvisiert: Ein großes Stück Pappe wird besorgt, wir steuern Deutschland-Fähnchen aus Papier sowie Stifte bei und es wird ein neues Plakat gebastelt. Am nächsten Tag erreicht uns die tolle Nachricht, dass die Sportlerin eine Bronzemedaille gewonnen hat.

Holger Kirsch mit der Köln-Flagge

Großes Hallo auch, als plötzlich Holger Kirsch vor mir steht – ein bekanntes Gesicht aus meiner Kölner Heimat. Auch er ist überrascht und freut sich. „Die DKMS hier im Deutschen Haus? Das finde ich super: Daumen hoch für die Aktion ‚Gold fürs Leben‘. Wirklich wichtig, dass darauf aufmerksam gemacht wird“, so der ehemalige Karnevalsprinz der Session 2015, der zusammen mit seinem Vater nach PyeongChang gereist ist, um sich verschiedene Wettbewerbe anzuschauen.

Und so ist mehr als 8.500 Kilometer entfernt von Köln schnell auch die Erkrankung von Karnevalist Dennis (Kommandant des Kölner Traditionsvereins „De Höppemötzjer“) ein Thema. Denn: Für den jungen an Blutkrebs erkrankten Mann wurde zu dem Zeitpunkt ein geeigneter Stammzellspender gesucht – die Karnevalisten in Köln und darüber hinaus unterstützten in der gerade beendeten Session den Hilfsappell geballt.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow

Für den größten Gänsehautmoment sorgt bei mir der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow, der im Zuge des „Thüringen Tages“ ins Deutsche Haus gekommen ist. Im persönlichen Gespräch berichtet der 62-Jährige meiner Kollegin Florentine und mir über die Blutkrebserkrankung seines Sohnes, der im Jahr 2000 eine Stammzelltransplantation erhalten hatte. „Mein Sohn lebt dank Organisationen wie der DKMS und den Menschen, die sich als mögliche Spender zur Verfügung stellen“, erzählte Ramelow uns.

Sein Sohn hatte zunächst eine so genannte Fremdspende durch einen Spender aus England erhalten, doch es gab Abstoßreaktionen. „Während einer Landtagssitzung bekam ich dann einen Anruf aus der Klinik. Der Professor sagte zu mir: Das Leben Ihres Sohnes hängt nicht mehr am seidenen Faden. Es ist ohne Faden. Ich bin sofort ins Krankenhaus gefahren. Der Arzt sagte: ‚Es gibt nur eine Chance. Sie müssen spenden – und das tat ich.“

Zur Erklärung: Dabei handelt es sich um eine so genannte haploidente Transplantation, die eine besondere Form der allogenen Stammzelltransplantation ist. Bei dieser spendet in der Regel ein Elternteil. „Wir hatten großes Glück. Mein Sohn ist heute gesund und steht im Leben“, so Ramelow. Für den Thüringer Landesvater ist es daher seine Herzensangelegenheit, auf unser Anliegen aufmerksam zu machen.

Eishockey-Nationalspieler Moritz Müller freut sich über Silber

Ein weiteres Highlight ist dann kurz vor Ende der Olympischen Spiele das Treffen mit den Eishockeynationalspielern. So startet Christian Ehrhoff kurz nach der Bekanntgabe, dass er als Fahnenträger für die Abschlussfeier ausgewählt wurde auch einen Registrierungsaufruf in die DKMS. Sein Teamkollege Moritz Müller schließt sich dem an und zeigt uns am Abschlussabend im Deutschen Haus die einige Stunden zuvor gewonnene Silbermedaille.

Seoul, 26. Februar 2018: Mit vielen unvergesslichen Eindrücken im Gepäck und dem guten Gefühl, viele neue Unterstützer im Kampf gegen Blutkrebs gewonnen zu haben, geht es kurz darauf wieder nach Hause und ich erfahre zurück im Büro sehr Erfreuliches: Dank der Aufrufe der Sportler haben sich bislang mehr als 2500 Menschen ein Registrierungsset angefordert. Das bedeutet konkret, dass die Sportler es durch ihren uneigennützigen Einsatz geschafft haben, 2500 Menschen dazu zu bewegen, uns ebenfalls zu helfen.

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