Ich habe mich im September 2005 registrieren lassen, als mein damaliger Verein Borussia Mönchengladbach eine interne Registrierungsaktion organisiert hat. Wir hatten zu dem Zeitpunkt einen Aufruf für ein an Leukämie erkranktes Mädchen unterstützt und wurden aufgeklärt und sensibilisiert. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich über Blutkrebs und die Stammzellspende bis dahin wenig bis gar nichts wusste und mir dementsprechend noch keine Gedanken darüber gemacht hatte. Allerdings gab es bei uns in der Familie bereits einen Krebsfall, insofern war ich zumindest schon vorbelastet.

Es war dann für uns alle sofort klar, dass wir uns registrieren würden, um zu helfen. Nicht nur für jeden Einzelnen, sondern der ganze Verein stand voll dahinter. Natürlich hatten wir als Fußballer, die in der Öffentlichkeit präsent sind, eine besondere Rolle, aber für mich war das eine persönliche Überzeugung und von Anfang an selbstverständlich. Denn es ist ja eine normale Angelegenheit, schließlich kann sich fast jeder registrieren. Dass es in unserem Fall auch publik gemacht wurde, war dann eher ein schöner Nebeneffekt, um noch mehr Menschen auf das Thema aufmerksam zu machen.

Zwei Monate später wurde ich bereits von der DKMS kontaktiert, dass ich als Spender in Frage kommen würde und für die Bestätigungstypisierung nochmal Blut abgeben müsse. Ich war zunächst überrascht, denn die Wahrscheinlichkeit, dass man selbst zur Spende aufgerufen wird, ist ja nicht so groß.

Als dann klar war, dass ich tatsächlich spenden würde, haben wir uns auf einen Termin in der Winterpause geeinigt, da ich bis Mitte Dezember ja noch in der Bundesliga die Vorrunde zu Ende spielen musste. Ich habe natürlich parallel alles mit dem Verein und den Teamärzten abgesprochen, die meine Entscheidung unterstützt haben.

Die Entnahme fand dann am 26. Dezember 2005, also dem zweiten Weihnachtstag, in der Dresdener Universitätsklinik statt. Die Spende selbst war ein schönes Gefühl, denn man wusste ja, dass man etwas Gutes tut. Es war auch überhaupt nicht anstrengend, ich wurde die ganze Prozedur über toll betreut.

Peer Kluge spendete 2005 in Dresden Stammzellen. Rechts im Bild: Dr. med. Kristina Hoelig, Bereichsleiterin Transfusionsmedizin der Medak Dresden.; Foto: Olaf Rentsch

Ich habe hinterher erfahren, dass die Spende an eine Frau in den USA geht. Obwohl ich sie nicht kannte, war es ein Schock, als ich ein paar Monate später mitgeteilt bekam, dass sie es nicht geschafft hat. Ich war betroffen und traurig, denn ich hatte gehofft, dass sie wieder ein normales Leben leben kann.

Der DKMS bin ich bis heute verbunden geblieben. Ich möchte den Leuten zeigen, wie unkompliziert es ist, jemandem eine zweite Lebenschance zu schenken. Für mich ist es einfach, dahinter zu stehen, da ich meine eigene Geschichte dazu erzählen kann. Es gibt immer noch zu viele Menschen, die nicht wissen, was eine Stammzellspende bewirken kann und wie einfach es ist, sich registrieren zu lassen.

Nicht nur wenn ich öffentlich für die DKMS aufrufe, sondern auch privat betone ich immer wieder, wie wichtig es ist, mitzumachen, um anderen zu helfen. Ich hoffe, dass ich dadurch mehr Menschen davon überzeugen kann, dass der Aufwand, jemandem das Leben zu retten, nicht so groß ist, wie man vielleicht meint. Ich jedenfalls erinnere mich gerne an den 26. Dezember vor zwölf Jahren zurück.

Unser Gastautor Peer Kluge ist ein ehemaliger Fußballprofi, der für den Chemnitzer FC, Borussia Mönchengladbach, 1. FC Nürnberg, Schalke 04, Hertha BSC und Arminia Bielefeld aktiv gewesen ist. Ende 2005 spendete er während der Winterpause Stammzellen für eine Patientin in den USA. Inzwischen hat er seine Karriere beendet, bleibt aber sowohl dem Fußball als auch der DKMS weiter treu verbunden.

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