„Freu dich, du bist in Wacken“ – so begrüßt das Dorf in Schleswig-Holstein seine Gäste auf Schildern am Ortseingang. Seit 1990 verwandelt sich das beschauliche 1800-Seelen-Dorf einmal im Jahr in ein mittlerweile legendäres Heavy-Metal-Festival und mit rund 75.000 Besuchern kurzzeitig in die drittgrößte Stadt im Bundesland. Das Wacken Open Air (W:O:A) findet immer am ersten August-Wochenende statt, in diesem Jahr vom 3. bis zum 5. August. Es ist eine besondere und wohl einmalige Kulisse, die sich den Besuchern in dieser Zeit bietet – die DKMS ist ein Teil davon. Von Veranstaltern, Dorfbewohnern und Gästen erfahren wir seit Jahren starke Unterstützung, die sich am eindrucksvollsten bei einem Besuch der beiden „DKMS-Hotspots“ zeigt.

Fans aus aller Welt

Wir schauen zunächst im Dorf Wacken  vorbei: Denn nicht nur auf dem 220 Hektar großen Festivalgelände sondern auch im Ort selber sind in dieser Zeit Heavy-Metal-Fans aus aller Welt in Scharen unterwegs – und in so gut wie jedem Vorgarten auf der örtlichen Hauptstraße gibt es Verkaufsstände, an denen von den Bewohnern Essen und Getränke angeboten werden. Ob Fischbrötchen, Wurst nach Hausmacherart oder Hamburger mit extra schwarz eingefärbten Brötchen, die Auswahl ist vielfältig. Ganze Garagen und Hofeinfahrten werden kurzerhand zu Discos umfunktioniert, aus denen laute Heavy-Metal-Musik schallt und vor denen die Metaller ausgelassen tanzen und „headbangen“. Derweil verdient sich der örtliche Nachwuchs ein zusätzliches Taschengeld, indem er mit Kettcars und Bollerwagen Sachen von A nach B transportiert. Denn für die Zeit des Festivals ist die Hauptstraße für den normalen Verkehr gesperrt.

Die Damen von „Wacken hilft“ spenden den Erlös aus dem Kuchenverkauf an die DKMS.

Ein sehr beliebter Treffpunkt ist seit dem Jahr 2010 der Stand der Initiative „Wacken hilft“. Dahinter verbergen sich rund 70 engagierte Damen, die leckere Kuchenkreationen backen und diese während der Festivaltage an ihrem Stand im Dorf an die Festivalbesucher verkaufen – rund 30 bis 40 Bleche werden an einem Tag verputzt. Den Erlös der Aktion spendet die Initiative an die DKMS – bislang mehr als 33.425 € (die Summe von 2017 noch nicht eingerechnet). Eine Idee, die ausgesprochen gut angenommen wird.

Wir hatten uns damals überlegt, wo und wie wir besonders viele Menschen erreichen können. Und da wir alle aus Wacken und Umgebung kommen, war schnell klar, dass das Festival unsere große Chance ist, viel zu bewirken und dass wir über einen Kuchenverkauf Geld sammeln wollen. Denn tagsüber sind sehr viele Besucher bei uns im Ort unterwegs und versorgen sich mit Essen“, sagt Initiatorin Andrea Breidenbach-Arp. „Die nächste Entscheidung war, wen unterstützen wir und mit was erreichen wir die Zielgruppe vor Ort – insbesondere die jungen Männer. Schnell kamen wir auf die DKMS, denn das Thema Blutkrebs kann jeden plötzlich und unvermittelt treffen und es ist uns eine absolute Herzensangelegenheit, das Thema weiter voranzubringen.“

Hauptgesprächsthema ist neben den Auftritten der rund 150 Bands und dem traditionell wechselhaften Wetter für viele die DKMS und die Stammzellspende – und es kommt gut an, dass in diesem Jahr hier erstmalig auch die Registrierung als potenzieller Spender in die DKMS. wird. Einem der Fans ist es beispielsweise ein großes Anliegen, seine Tätowierung mit dem DKMS-Logo und dem Namen des Patienten, für den er vor Jahren Stammzellen gespendet hatte, zu zeigen. „So etwas rührt natürlich“, so Andrea Breidenbach-Arp, legt derweil einem hungrigen Gast ein Stück Zitronenkuchen mit Zuckerguss auf den Teller und reicht ihm dann einen Becher mit dampfenden Kaffee.

Ganz besonders ist mir ein junger Heavy-Metal Fan im Gedächtnis geblieben, der aufgeregt an unseren Stand kam und sich erstmal mit einer großen Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen stärken musste. Der Grund für seine Aufregung löst bei mir noch heute Gänsehaut aus, denn er hatte kurz zuvor den Anruf von der DKMS erhalten, dass er als tatsächlicher Stammzellspender in Frage kommt und vielleicht schon bald einem Patienten helfen kann.“ Angesprochen auf die Frage, warum die DKMS und Wacken so gut zusammen passen, muss sie nicht lange überlegen.Die DKMS und auch Wacken verbindet das wirklich Bodenständige kombiniert mit dem internationalen Gedanken. Jeder ist wichtig und willkommen – egal, woher er stammt. Und das macht aus meiner Sicht den Erfolg auch aus.“

Eindrücke vom DKMS-Stand auf dem Festivalgelände

Einige hundert Meter weiter – mitten auf dem eigentlichen Festivalgelände, wo sonst das ganze Jahr über Kühe weiden – wird ebenfalls auf das Anliegen der DKMS aufmerksam gemacht. Seit 2014 unterstützen die Veranstalter des W:O:A die DKMS durch jährliche Registrierungsaktionen. Auch in diesem Jahr liegt der Stand an prominenter Stelle, an der eigentlich fast jeder Besucher einmal vorbei kommt – direkt im Camp der Wacken Foundation und mit Blick auf eine der Hauptbühnen. „Auslöser war damals die Erkrankung von Melissa, der Tochter unseres Produktionsleiters, die auf eine Stammzellspende angewiesen war“, erzählt Wackengründer Thomas Jensen. „Für Melissa konnte später im weltweiten Suchlauf ein passender Spender gefunden werden und es geht ihr heute glücklicherweise gut“.

Der 51-Jährige ist sogar noch vor der offiziellen Eröffnung des Festivals an den Registrierungsstand gekommen, um zu schauen, wie sich die Fans engagieren und ist sichtlich begeistert. „Die Resonanz darauf ist in der Metal-Familie erfreulich hoch.“

Kurzerhand setzt er sich an einen der Registrierungstische und demonstriert, wie einfach die Aufnahme via Wattestäbchen in die DKMS ist. Er selber ist seit 2014 als Spender in der Datei. „Das war für mich selbstverständlich. Zum einen wegen der direkten Betroffenheit durch Melissa, aber auch, weil man vielen Patienten weltweit möglicherweise helfen kann.“

Herzlich auch seine Begrüßung mit Robert Adam vom Blutspendedienst des Klinikums Itzehoe, der bislang bei jeder Wacken-Registrierungsaktion den Stand und die Helfertruppe organisiert hat. Die beiden kennen sich schon seit vielen Jahren. „Wir sind auf die gleiche Schule gegangen, Thomas war eine Stufe über mir“, berichtet Robert Adam. „Ich finde es klasse, dass wir nun hier zusammen für die DKMS aufrufen können. Insgesamt bin ich echt begeistert, wie die Aktion jedes Jahr von den Fans angenommen wird. Gänsehautfeeling hatten wir, als sich noch vor dem eigentlichen Start der Aktion eine lange Schlange von Interessierten vor dem Stand gebildet hat.“

Mit sehr viel Herzblut und Motivation ist er im Einsatz – was sich auch auf die Helfer überträgt. „Wir haben sofort zugesagt, als wir die Email von Robert bekommen haben“, berichten Tabea Thießen und Kay Voßberg, beide vom Klinikum Itzehoe. Sie helfen gerade potenziellen Neuspendern beim Vervollständigen der Einverständniserklärungen, die diese für eine Registrierung in die DKMS im ersten Schritt ausfüllen müssen. Neben ihnen auf der Bierbank sitzen ihre Kollegen Aron Häbel und Viola Hill, die ergänzen: „Wir sind überwältigt, wie hilfsbereit alle sind.“

Geheilter Blutkrebspatient und Wacken-Stammgast Nils Haarhues

Ebenfalls ein „Mann der ersten Stunde“ ist Nils Haarhues, der es sich nicht nehmen lässt, auch an diesem Tag zum Stand zu kommen und die Menschen zu Registrierung zu mobilisieren. Durch seine Krankheitsgeschichte ist er der DKMS seit Jahren eng verbunden. Für den mittlerweile transplantierten Blutkrebspatienten aus Petersfehn fand zunächst 2013 eine Aktion unter dem Motto „Hilfe für Nils und andere“ in seinem Heimatort statt. Seit 2014 ruft der 36-jährige Wacken-Fan im Zuge des Festivals zur Unterstützung für Patienten weltweit auf und ist auf dem aktuellen Aktionsflugblatt zu sehen. Seine Botschaft ist auch für 2017 klar: „Hey Metalheads, danke für euren Support! Ich finde es sehr geil, dass ihr anderen Menschen das Leben retten wollt – so, wie mir geholfen wurde!“

Sabrina Rubarth und Michael Jahnke-Rubarth sind schon länger registriert und kamen extra an den DKMS-Stand, um Geld für den Kampf gegen Blutkrebs zu spenden.

Zwei Tage später ist das Wacken Open Air 2017 vorbei und die Bilanz bei den Beteiligten überaus positiv. Der traditionelle Kuchenverkauf von „Wacken hilft“ war wieder sehr erfolgreich – 7400 Euro kamen zusammen, so dass es aktuell mehr als 40.000 Euro sind, die wir für den weltweiten Kampf gegen Blutkrebs verwenden können. Dankbar sind die Damen rund um Initiatiorin Andrea Breidenbach-Arp auch den vielen Kuchenspenderinnen und dem örtlichen Edeka Markt Boll, der jedes Jahr den Kaffee für die gute Sache spendet.

Es haben sich 1254 Metalfans registrieren lassen, dazu kamen über 3000 Euro an Geldspenden. Insgesamt haben sich bei den Wacken-Aktionen der vergangenen Jahre zusammen über 6.000 Besucher registriert. 21 davon haben schon Stammzellen für einen Patienten gespendet. Von diesen 21 ermöglichten Stammzellspenden sind 19 ins weltweite Ausland gegangen, darunter nach Norwegen, Finnland, Frankreich und in die USA. Ob Stammzellen, die international für Patienten gespendet werden oder schmackhafter Kuchen, den Fans aus aller Herren Länder zu unseren Gunsten mit Hochgenuss verspeisen – es zeigt sich eindrucksvoll, das Patientenhilfe keine Grenzen kennt.

Weitere Informationen finden Sie in unserem DKMS Media Center

Aufmacher-Foto:

V.l.n.r: DKMS-Aktionsleiter Nicolai Rosier, Wackengründer Thomas Jensen, Simone Henrich (DKMS), Nils Haarhues (transplantierter Patient) und Robert Adam (Leiter Blutspendedienst Klinikum Itzehoe)

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