Die neue Collaborative Biobank (CoBi) ist eine gemeinschaftliche Wissenschaftsplattform, die weltweit Ressourcen für medizinische Forschungsprojekte im Bereich von Blutkrebserkrankungen bereitstellt. Gleichberechtigte Kooperationspartner sind Transplantationszentren, Entnahmezentren und Spenderdateien. Koordiniert wird das Projekt von der Clinical Trials Unit (CTU), der wissenschaftlichen Forschungseinheit der DKMS, in Dresden.

Biobanken sind die Basis für zukunftsträchtige Forschungsprojekte im Rahmen der Humanmedizin. Sie sind eine wichtige Ressource zur Aufklärung von Ursachen und Mechanismen zahlreicher Krankheiten.

Die DKMS ermöglicht als Schirmherr der neuen Collaborative Biobank besseren Zugang zu Forschungsressourcen und –ergebnissen – mit dem Ziel, Blutkrebs zu besiegen. „Die CTU hat sich die Analyse von Interaktionen zwischen dem Immunsystem und Leukämiezellen als Forschungsziel gesetzt. Das erworbene Wissen kann für eine verbesserte Spenderauswahl bei der Stammzelltransplantation genutzt werden“, so Prof. Johannes Schetelig, Hämatologe und Leiter der CTU.

Im Rahmen des Projektes werden Blutproben von interessierten Teilnehmern (Stammzellspendern und Blutkrebspatienten) gesammelt, unter standardisierten Laborbedingungen aufbereitet und eingelagert. Zusätzlich werden medizinische und probenbezogene Daten der Teilnehmer verschlüsselt in der CoBi-Datenbank gespeichert. An dieser Stelle findet sich auch eine Besonderheit der CoBi, die umso mehr auf wegweisende Forschungsergebnisse hoffen lässt: Es werden Proben und Daten von zueinander passenden, gesunden Stammzellspendern und erkrankten Patienten archiviert. Diese Spender- und Patienten-Paarungen können bisher weltweit nur sehr wenige Datenbanken anbieten. Entnahmezentren, Transplantationskliniken und Spenderregister arbeiten innerhalb der CoBi sehr eng zusammen, um das zu ermöglichen.

Die teilnehmenden Zentren und weltweiten Forschungsgruppen haben die Möglichkeit, Proben und/oder Daten für Forschungsarbeiten zur Prävention, Diagnose und Behandlung von Blutkrebserkrankungen zu verwenden.

Biobanken als Sammlungen von Proben menschlicher Körpersubstanzen (z.B. Zellen, Gewebe, Blut und der DNA als materiellem Träger genetischer Information), die mit personenbezogenen Daten und Informationen ihrer Spender verknüpft sind bzw. verknüpft werden können, sind eine wichtige Ressource zur Aufklärung von Ursachen und Mechanismen zahlreicher Krankheiten. Dem entgegen steht die Befürchtung, dass Proben und Daten unkontrolliert verwendet werden. Aus diesem Grund muss der Antrag zum Aufbau einer Biobank von der jeweiligen Ethik-Kommission beraten werden. CoBi ist von der Ethikkommission an der Technischen Universität Dresden zustimmend bewertet worden.

Die Verarbeitung und langfristige Lagerung der Proben liegt in der Verantwortung des vertraglich gebundenen Probenverwalters. Aufgrund der Erfahrungen im Umgang mit sensiblen Daten und Proben sowie der Lagerung von Arzneimitteln und eines ausgereiften Qualitätssicherungskonzeptes wurde die DKMS Nabelschnurblutbank gemeinnützige GmbH für die Rolle des Probenverwalters ausgewählt.

Unterstützung von Expertengruppen

Der Wissenschaftliche Beirat (Scientific Committee) überwacht die Nutzung der Proben und Daten aus CoBi. Zu seinen Aufgaben zählt die medizinische und wissenschaftliche Überprüfung und Bewertung von Forschungsprojekten der DKMS, die mit den Ressourcen der Biobank durchgeführt werden sollen. Repräsentativ setzt sich der Wissenschaftliche Beirat aus den Mitgliedern der Transplantationszentren und der DKMS zusammen und wird von zwei Expertengruppen auf den Gebieten der Immungenetik und Statistik unterstützt.

Innerhalb der CoBi erfolgen alle technischen Arbeitsschritte und Laborprozesse nach definierten Qualitätsstandards (sog. SOPs, vom englischen: Standard Operating Procedures). Diese einheitlichen, festgeschriebenen SOPs werden regelmäßig kontrolliert und ggf. aktualisiert, so dass  ein höchstes Maß an Qualität gewährleistet werden kann.

Die administrative Leitung der CoBi wird von der CTU übernommen. Sie ist unter anderem dafür zuständig, den technischen Support für die Datenbank bereitzustellen und die Ressourcen innerhalb der Biobank zu verwalten. Für anfragende Forschungsgruppen übernimmt sie die Koordination und Freigabe von Proben und Daten aus CoBi. Die DKMS gGmbH, zu der die CTU gehört, ist Kooperationspartner und koordinativer Schirmherr des Projekts.

Dazu erklärt Schetelig: „Wir hoffen, durch die gleichberechtigte und enge Zusammenarbeit aller Kooperationspartner sehr gute Forschungsergebnisse erzielen zu können. Der gemeinschaftliche Charakter des Projektes ist uns sehr wichtig.“

Der Start des Projekts wäre ohne eine langfristige finanzielle Unterstützung nicht möglich gewesen. Die internationale Großbank HSBC unterstützt mit Mitteln aus ihrem Jubiläumsfonds zu ihrem 150-jährigen Bestehen die Collaborative Biobank. Das Engagement der HSBC ist auf drei Jahre angelegt und gibt der CoBi Planungssicherheit. Carola von Schmettow, Sprecherin des Vorstands von HSBC Deutschland: „Das Projekt ermöglicht uns eine nachhaltige Investition in die Forschung im Kampf gegen Blutkrebs. Dabei ist der internationale Ansatz besonders vielversprechend. Das Infrastrukturprojekt hat eine fortwährende Wirkung und erhöht die Schlagkraft der beteiligten Organisationen weit über den geförderten Zeithorizont hinaus. Denn die weltweite Datenbank schafft erst die Basis für viele weitere Heilungschancen in der Zukunft.“

Für die DKMS ist diese Form der langfristigen Unterstützung zukunftsträchtig. Die Spende der Großbank HSBC ist die erste dieser Art, die nicht nur die Spenderneugewinnung fördert, sondern gezielt in unsere Forschungsarbeit investiert. Um im Kampf gegen Blutkrebs weitere Fortschritte zu erzielen, sind teilweise auch aufwendige Forschungsprojekte unerlässlich. Nur durch den wissenschaftlichen Ansatz werden wir signifikante Verbesserungen erreichen und neue Therapieformen finden.

 www.cobi-biobank.de 

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