Anfang 2017 hat sich der weltweit siebenmillionste Stammzellspender bei der DKMS registriert. Berücksichtigt man sämtliche Stammzellspenderdateien weltweit, beläuft sich deren Zahl sogar auf knapp 30 Millionen Menschen. Obwohl somit lediglich 0,4 Prozent der Weltbevölkerung als Stammzellspender zur Verfügung stehen, ergibt die Suche nach einem passenden genetischen Zwilling für einen Patienten regelmäßig mehrere Spender, deren HLA-Gewebemerkmale jeweils mit denen eines einzelnen Erkrankten übereinstimmen. Dann lautet die Frage: Nach welchen Kriterien wählt der behandelnde Arzt den finalen Spender aus?

Stammzellspenderdateien wie die DKMS möchten den Ärzten diese Entscheidung möglichst leicht machen. „Manchmal kommen für einen Patienten tatsächlich mehrere Spender infrage. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Ärzte in solchen Fällen gerne Spender zur Transplantation heranziehen, bei denen zusätzliche Blutwerte vorliegen. Diese gehen über die zehn klassischen HLA-Merkmale HLA-A, -B, -C, -DRB1 und -DQB1 in jeweils doppelter Ausführung hinaus, die bei jedem weltweiten Suchlauf berücksichtigt werden“, erklärt Dr. Jennifer Wuchter, Leiterin HLA Services bei der DKMS. Bei diesen zusätzlichen Blutwerten handelt es sich um die Blutgruppe, den Rhesusfaktor, die Ausprägung der KIR-Gene und des CCR5-Gens, sowie das Vorhandensein von Zytomegalievirus-Antikörpern (CMV Serostatus). Seit 2015 werden diese Merkmale standardmäßig bestimmt. Spender, die zu einem früheren Zeitpunkt in die Datenbank aufgenommen wurden, werden im Bedarfsfall nach den moderneren Standards „nachtypisiert“.

DKMS Hochschulaktion an der RWTH Aachen

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Ebenfalls seit 2015 bestimmt die DKMS für jeden Neuspender zusätzlich das HLA-Merkmal DPB1. „Je nach Krankheitsbild möchten Hämatologen vom Spender die Ausprägung von HLA-DPB1 wissen. Dieses Merkmal kann zur Vermeidung einer Abstoßungsreaktion eine entscheidende Rolle spielen“, sagt Wuchter.

Das Vorhandensein von Gewebemerkmalen und Blutwerten, die über die fünf Standard-HLA-Gewebemarkmale hinausgehen, erhöht die Qualität einer Spenderdatei bereits erheblich. Doch was nutzt dem Patienten der perfekte Treffer in der Datenbank, wenn der Spender im Anschluss nicht zur Stammzellentnahme zur Verfügung steht? Die Gründe hierfür sind so mannigfaltig wie die Ethnien der weltweit registrierten Spender. Häufig fällt ein Spender aus gesundheitlichen Gründen aus. Doch es gibt Methoden, mit denen Spenderdateien auch die Nichtverfügbarkeitsrate auf möglichst geringem Niveau halten.

DKMS Hochschulaktion an der RWTH Aachen

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Ein Gesundheitsfragebogen erweist sich als das Mittel der Wahl. Seit 2013 werden die Spender der DKMS im Rahmen von Nachtypisierungen gebeten, einen Fragebogen auszufüllen. Das Ergebnis einer 2016 durchgeführten Auswertung: 92,37 Prozent der Spender aus der Gruppe, die einen Gesundheitsfragebogen ausgefüllt hatten, standen für eine Bestätigungstypisierung sofort zur Verfügung, 6,06 Prozent waren vorübergehend nicht verfügbar und 1,02 Prozent konnten aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr spenden. Von den Spendern aus derselben Gruppe waren lediglich 0,43 Prozent nicht mehr zur Spende bereit und 0,12 Prozent waren nicht erreichbar.

Innerhalb der Gruppe, die keinen Fragebogen erhalten hatte, kamen 81,83 Prozent der Teilnehmer umgehend der Aufforderung zur Bestätigungstypisierung nach – etwa 10 Prozentpunkte weniger als in der Vergleichsgruppe. 12,11 Prozent standen zeitweise nicht zur Verfügung und bei 2,15 Prozent verschlechterte sich der Gesundheitszustand soweit, dass sie nicht mehr spenden konnten. 2,73 Prozent, also sechsmal soviel wie in der Kontrollgruppe, waren aus anderen Gründen nicht mehr für eine Spende verfügbar. Nahezu zehnmal so viele Spender wie in der ersten Gruppe, nämlich 1,18 Prozent, konnten nicht mehr kontaktiert werden.

DKMS Hochschulaktion an der RWTH Aachen

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Mittlerweile haben Spender die Möglichkeit, ihren groben Gesundheitszustand im Rahmen von Nachtypisierungsprojekten der DKMS in ein gesichertes Onlineformular einzutragen. Dieses wird deutlich häufiger genutzt, als der Fragebogen in Papierform. Die Daten liegen außerdem in pseudonymisierter Form vor. Das bedeutet, dass ein Spender ausschließlich über die Spendernummer identifiziert werden kann.

DKMS Onlinefragebogen

DKMS Onlinefragebogen

Seit Einführung des Gesundheitsfragebogens zeigt sich ein weiterer positiver Effekt: Spender, bei denen aktuelle Gesundheitsinformationen vorliegen, benötigen im Vorfeld einer Stammzellentnahme weniger Zeit bis zur Blutentnahme bei der Bestätigungstypisierung, als Spender, die keinen Gesundheitsfragebogen ausgefüllt haben. Diese Zeitersparnis ist zum einen für die Ärzte von Vorteil, da sie sich schneller für einen Spender entscheiden können. Zum anderen erfährt der Patient früher, dass ein passender Spender gefunden wurde.

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