Ende November stellten Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU)  und der Präsident des Robert Koch-Instituts, Professor Dr. Lothar H. Wieler, in Berlin den ersten „Bericht zum Krebsgeschehen in Deutschland“ vor. Dieser Bericht gibt eine Übersicht zum Krankheitsgeschehen sowie zu den Fortschritten bei der Bekämpfung und zeigt auf, welche Entwicklungen zu erwarten sind. Erstellt wird der Bericht zum Krebsgeschehen vom Robert Koch-Institut und soll zukünftig alle fünf Jahre erscheinen.

„Krebs ist in Deutschland nach wie vor die zweithäufigste Todesursache. Mit dem Nationalen Krebsplan arbeiten wir daran, die Krebsfrüherkennung weiterzuentwickeln und die medizinische Versorgung weiter zu verbessern. Hierbei muss immer der Patient im Mittelpunkt stehen. Es ist wichtig, Betroffene gut zu betreuen und in Therapieentscheidungen einzubeziehen. Der Bericht zum Krebsgeschehen in Deutschland zeigt, wo unsere Bemühungen schon greifen und welche Herausforderungen sich in Zukunft stellen.“, sagte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe bei der Präsentation des Berichts.

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Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Professor Dr. Lothar H. Wieler (links) und Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (2.v.l.) bei der Vorstellung des ersten Berichts zum Krebsgeschehen in Berlin; Quelle: BMG

2013 erkrankten in Deutschland 482.500 Menschen neu an Krebs. Seit 1970 hat sich die absolute Zahl von Krebsneuerkrankungen in Deutschland nahezu verdoppelt. Auf den stetig wachsenden Bedarf nach einem umfassenden Blick auf das Krebsgeschehen in Deutschland reagierte der Gesetzgeber 2009 mit dem Bundeskrebsregisterdatengesetz (BKRG). Dieses Gesetz beauftragt das Zentrum für Krebsregisterdaten (ZfKD) im Robert Koch-Institut (RKI) damit, alle fünf Jahre einen Krebsbericht zu verfassen. In diesem sollen die Aspekte der Epidemiologie, der Versorgung, der Prävention, der Früherkennung und des Forschungsbedarfs berücksichtigt werden.

Die Erkrankungen der lymphatischen und blutbildenden Organe haben in Deutschland langfristig zugenommen. Etwa 39.300 Menschen, darunter rund 940 Kinder unter 18 Jahren, erkranken jährlich in Deutschland an einer bösartigen Neubildung des blutbildenden und lymphatischen Systems. 18.800 Personen, unter ihnen 91 Kinder, verstarben in 2013 an den Folgen einer dieser Erkrankungen.

Sowohl in Deutschland als auch in Skandinavien und den USA ist die altersstandardisierte Inzidenz in den letzten 40 Jahren bei beiden Geschlechtern kontinuierlich gestiegen, während die Sterblichkeit seit Anfang der 1990er Jahre leicht rückläufig ist. Auffallend ist das durchgehend höhere Niveau der Raten in den USA gegenüber den europäischen Vergleichsregionen. Absolut hat sich die Zahl der Erkrankungsfälle in Deutschland in den letzten 40 Jahren mehr als verdoppelt. Auch die Zahl der Sterbefälle ist deutlich gestiegen.

Die onkologischen Erkrankungen des blutbildenden und lymphatischen Systems machen bei Kindern fast die Hälfte aller Krebsneuerkrankungen aus. Im Gegensatz zu den Erwachsenen dominieren bei Kindern die akuten Leukämieformen, insbesondere die akute lymphatische Leukämie, die im Erwachsenenalter eher selten vorkommt. Es leben derzeit rund 20.000 Kinder in Deutschland, die seit fünf oder mehr Jahren eine Leukämie oder ein Lymphom überlebt haben. Bei diesen ist davon auszugehen, dass eventuelle Spätfolgen und damit ein erhöhter Versorgungsbedarf oft erst Jahrzehnte nach der überstandenen Krebserkrankung im mittleren Lebensalter auftreten. Im Jahr 2013 hatte jeder achte Pflegefall eine Krebserkrankung als erste pflegebegründende Diagnose. Krebserkrankungen sind außerdem die Gruppe von Erkrankungen, die für die meisten verlorenen Lebensjahre vor dem 70. Lebensjahr verantwortlich ist. Allerdings sind die körperlichen, kognitiven, emotionalen und sozialen Einschränkungen der Lebensqualität von Menschen mit Krebs in Deutschland bislang wenig erforscht.

Aufgrund fehlender gesicherter Erkenntnisse zu den Risikofaktoren lassen sich weder langfristige Trends noch internationale Unterschiede der Erkrankungshäufigkeiten hinreichend erklären. Die Unterschiede zwischen wirtschaftlich stärker und schwächer entwickelten Regionen, aber auch innerhalb Europas beziehungsweise zwischen Nordamerika und Europa lassen – bezogen auf alle Krebsarten – einen negativen Einfluss eines „westlichen“ Lebensstils beziehungsweise eines höheren sozioökonomischen Status vermuten, ohne dass sich dieser näher eingrenzen lässt. Gleichwohl gehört Deutschland zu den Ländern Europas mit den höchsten Überlebensraten nach einer Krebserkrankung.

Abschließend werden in dem Bericht Herausforderungen, Erwartungen und Perspektiven aufgegriffen, wie die Krebsbekämpfung in Deutschland weiterentwickelt werden kann. Anregungen hierzu kamen aus Gesprächen mit Patientenvertreterinnen und -vertretern sowie Expertinnen und Experten aus der Grundlagen- und Anwendungsforschung, aus Bereichen der Prävention und der onkologischen Versorgung.

Weitere Informationen finden Sie auf krebsdaten.de/krebsbericht