Als Seun Adebiyi 2009 die Diagnose Blutkrebs erhält, verändert das sein ganzes Leben. Der gebürtige Nigerianer, der als Sechsjähriger mit seiner Mutter in die USA kommt und dort aufwächst, arbeitet zu diesem Zeitpunkt an der Wallstreet. Schnell ist klar, dass er auf eine Stammzellspende angewiesen ist. Was er dann erfährt, ist ein Schock: Viel zu wenige Menschen mit nigerianischen Wurzeln stehen als mögliche Spender zu Verfügung. Denn entscheidend für eine Transplantation ist die Übereinstimmung der Gewebemerkmale von Patient und Spender – die teilweise von der Herkunft abhängig sind. Es ist also wahrscheinlicher, dass Patienten einen passenden Spender unter den eigenen Landsleuten finden. Auch die DKMS in den USA ruft damals zur Registrierung für Seun auf, trotz weltweiter Suche kann aber zunächst niemand gefunden werden.

Sechs Monate lang dachte ich, ich müsste sterben.

Adebiyi beschließt, sich an der Suche für ihn und andere zu beteiligen und setzt sich Ziele: 10.000 neue Spender motivieren, die erste Registrierungsaktion in Nigeria organisieren und dort ein Register gründen. „Ein Nein als Antwort hätte ich nicht akzeptiert“, erinnert er sich. Kurz darauf bekommt er die Nachricht, dass eine Nabelschnurblutspende für ihn gefunden werden konnte – seine Chance auf ein neues Leben. Noch vor der Transplantation fliegt er gegen den Rat seiner Ärzte nach Nigeria, um dort bei der ersten Registrierungsaktion vor Ort zu sein. „Sechs Monate lang dachte ich, ich müsste sterben, jetzt geht es mir wieder gut und ich könnte das Leben umarmen“, sagt er später.

Seun Adebiyi

Register-Gründer Seun Adebiyi

2012 gründet er das Bone Marrow Registry Nigeria (BMRN) am College of Medicine des University of Nigeria Teaching Hospital in Enugu. Das BMRN ist nach dem 1991 in Kapstadt gegründeten und ansässigen Südafrikanischen Register – dem South African Bone Marrow Donor Register (SABMR) – das zweite Register auf dem afrikanischen Kontinent. Beim Auf und Ausbau wird Adebiyi von der DKMS unterstützt – der es ein großes Anliegen ist, weltweit die Situation für Patienten zu verbessern. Beispielsweise berät die DKMS das Register und sorgt für den Transfer von Know-how. Darüber hinaus typisiert die DKMS die Gewebeproben der ersten neu aufgenommenen Spender nach höchsten Standards im DKMS Life Science Lab in Dresden und übernimmt dafür auch die Kosten.

Ende Juli 2016 gab es in Enugu einen Aktionstag in einem Hörsaal unter dem Motto „May wants to survive“. Zunächst gab es für die Studenten einen Infovortrag durch die Kodirektoren des BMRN Dr. Sunday Ocheni und Prof. Ifeoma Okoye, danach startete die Registrierung. Diese kam so gut an, dass der Zeitraum spontan um mehrere Stunden verlängert wurde und sogar Freunde und Angehörige der Patientin May vorbeikamen. Zum Hintergrund: Die 33-jährige May aus UK leidet an Blutkrebs. Nach einem Rückfall ist die junge Mutter mit nigerianischen Wurzeln auf eine Stammzelltransplantation angewiesen. Um ihr und anderen zu helfen, wurden Aufrufe auf drei Kontinenten gestartet. Ihre Schwester, die in Nigeria lebt, hatte sich an das BMRN gewandt, das wiederum die DKMS ins Boot geholt hatte. Auch die britische Wohltätigkeitsorganisation African Caribbean Leukaemia Trust (ACLT) setzt sich ein. Jetzt gibt es aktuell eine Nachricht, die Mut macht und Hoffnung schenkt: Mays Schwester kommt als Spenderin in Frage und eine Transplantation soll in UK durchgeführt werden.

Patientin May

Patientin May mit ihrer Familie

Seun Adebiyi hat übrigens neben seinem Engagement für Patienten ein weiteres Ziel: Er möchte der erste Sportler werden, der für Nigeria bei den Olympischen Winterspielen im Skeleton antritt. Dafür trainiert er und hofft, 2018 bei den Spielen in Südkorea dabei zu sein.