Erst wenn man sich die Statistik vor Augen führt, wird deutlich, wie international die DKMS agiert: Mehr als drei Viertel der Stammzellentnahmen von DKMS-Spendern aus Deutschland werden ins Ausland exportiert. Und mit fast sieben Millionen registrierten Spendern ist die DKMS eine internationale gemeinnützige Organisation im Kampf gegen Blutkrebs. Inzwischen stellt die DKMS 38 Prozent aller weltweit vermittelten Stammzellspenden, Patienten in 50 verschiedenen Ländern haben wir bereits Hoffnung auf ein zweites Leben geben können.

Um dem steigenden Bedarf gerecht zu werden und das wachsende Netzwerk zu überblicken, ist 2013 die Abteilung Transplant Center Services (TCS) entstanden. Fünf Mitarbeiter sorgen für eine Vertiefung der Beziehung zwischen der DKMS und den Partnern im In- und Ausland. Dazu zählen Ärzte, Register, Transplantationskliniken und Sucheinheiten.

Aber auch zu Patienten und deren Angehörigen gibt es Kontakt, wenn ihnen in ihrem Heimatland nicht weitergeholfen werden kann. Damit ist das TCS-Team Ansprechpartner für alle Fragen außerhalb der Standardprozesse. „Durch die Netzwerkpflege können wir aus erster Hand erfahren, ob es Verbesserungsvorschläge, Wünsche oder Probleme seitens der Partner gibt“, sagt Abteilungsleiterin Gabi Rall.

Wir müssen wissen, wie das Gesundheitssystem in den jeweiligen Ländern funktioniert

Wichtiges Kriterium ist, neben der schnellen Verfügbarkeit der Spender, die hohe Datenqualität bei den Ergebnissen der Typisierung. Je mehr über den Spender und sein Typisierungsprofil bekannt ist, desto mehr Vertrauen hat der transplantierende Arzt in diesen Spender. „Wir möchten nicht nur wissen, wie unsere Partner arbeiten, sondern diese auch darüber informieren, welchen Service wir anbieten und welche Weiterentwicklungen es innerhalb der DKMS gibt“, berichtet Katja Wimmer vom TCS. „Deshalb sind wir regelmäßig in verschiedenen Ländern unterwegs, um sowohl Informationen einzuholen als auch zu verbreiten.“

Zudem verschickt die Abteilung einen regelmäßigen Newsletter, der über Anpassungen der medizinischen Kriterien und der Einführung neuer Projekte und Regularien informiert.

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Das TCS-Team in Tübingen (v.l.n.r.): Katja Wimmer, Ute Leipprand, Gabi Rall, Tobias Riethmüller. Es fehlt: Anika Gerber (Köln)

„Wenn wir Patienten im Ausland helfen möchten, müssen wir wissen, wie das Gesundheitssystem in den jeweiligen Ländern funktioniert“, so TCS-Mitarbeiterin Ute Leipprand. Dazu müssen hin und wieder interkulturelle sowie politische Schwierigkeiten bewältigt werden. Da in vielen Regionen der Standard weit unter dem Level liegt, das wir aus Deutschland kennen, werden die Prozesse entsprechend angepasst. „Wir waren anfangs überrascht, wie schlecht die Bedingungen in einigen Ländern sind“, erklärt Gabi Rall. „Nur, wenn wir die Gegebenheiten vor Ort kennen, können wir gezielt helfen.“ 

Glücklicherweise ist eine positive Entwicklung zu beobachten. Vor allem in Brasilien, Indien, im Iran und in der Türkei konnten große Fortschritte erzielt werden. „Die Situation hat sich in diesen Ländern enorm verbessert“, erklärt TCS-Mitarbeiter Tobias Riethmüller. „Das liegt vor allem daran, dass das Personal besser geschult ist und immer mehr moderne Kliniken entstehen.“

Zu den größeren Herausforderungen gehören auch bürokratische Hürden. Denn wenn im Formular- und Antragsdschungel erst Wochen vergehen, bis die Suche nach dem passenden Spender eingeleitet ist, ist es für den Patienten im schlimmsten Fall zu spät. Deshalb ist eine effiziente Kommunikation mit den Transplantationskliniken unabdingbar. Auch das Erkennen von Trends in der Bekämpfung von Blutkrebs gehört dazu. So gibt es Länder, in denen beispielsweise die Nabelschnurblutspende und die Spende durch einen Elternteil (Haploident) weiter verbreitet sind als hierzulande.

Um immer am Puls der Zeit zu bleiben, besuchen die Mitarbeiter Kongresse und Workshops. Umgekehrt können Mitarbeiter ausländischer Dateien und Register bei der DKMS hospitieren.

Egal wo auf der Welt, die Abteilung TCS wird auch in Zukunft alles daransetzen, die Situation für Patienten zu verbessern.

Damit es nicht nur in Deutschland heißt: Wir besiegen Blutkrebs.