In Deutschland erkranken jährlich rund 500.000 Menschen neu an Krebs, von denen rund 224.000 daran versterben. Damit ist Krebs die zweithäufigste Todesursache nach den Herz-Kreislauferkrankungen. Unter Männern ist der Prostatakrebs (Schätzung 2016: 66.900 Neuerkrankungen) die häufigste Krebserkrankung, bei Frauen ist der Brustkrebs (rund 70.000 Neuerkrankungen) mit Abstand auf Platz 1. Auch Kinder erhalten die Diagnose Krebs. Die Zahl der Neuerkrankungen liegt seit Jahren konstant bei rund 1.800 in Deutschland, davon erleidet etwa ein Drittel der unter 15-Jährigen eine Form von Leukämie. (Zahlen: Deutsche Krebshilfe)

Damit gehört Krebs zu den lebensbedrohlichsten Erkrankungen unserer Zeit. Für die meisten Betroffenen bedeutet diese Diagnose einen tiefen Einschnitt in ihr bisheriges Leben. Nichts ist mehr so wie vorher. Aber was genau ist eigentlich Krebs und wie entsteht er? Was ist der Unterschied zwischen einer gesunden Zelle und einer Tumorzelle? Was sind Metastasen und warum bilden sie sich? Welche Rolle spielen dabei die Gene und Mutationen, die Sonne oder die Zigarette? Und wie können Verfahren wie Chemo- oder Strahlentherapie dem Krebs entgegenwirken?

Unsere Kollegin aus dem DKMS Life Science Lab, Dr. Anja Klußmeier, erklärt und veranschaulicht in ihrem Buch „Transformation – eine Zelle wird zu Krebs“ die komplexen biologischen Prozesse, die hinter einer Krebserkrankung stecken, anhand von einfachen Beispielen und ohne viel Chemie. Im ersten Teil geht es um den grundlegenden Aufbau und die Funktionen einer gesunden Zelle. Es wird deutlich, wie und warum Mutationen in den Erbinformation entstehen und schließlich für defekte Moleküle verantwortlich sind, die wiederum die Ursache vieler verschiedener Krankheiten bilden. Im Anschluss geht es um die besonderen Fähigkeiten einer Tumorzelle: die Veränderung ihrer Zellteilung, ihre Unsterblichkeit und ihre Strategien zur Deckung eines erhöhten Energiebedarfs. Dabei zeigen viele Beispiele das Prinzip, sie können jedoch nicht allgemein gültig sein, da jeder Tumor über ganz individuelle Eigenschaften verfügt. Kein Tumor ist gleich.

Genau diese Individualität stellt auch eine der größten Herausforderungen in der Krebstherapie dar, deren Wirkungsweise im letzten Teil dargestellt wird. Während die klassischen Chemotherapien über verschiedene Mechanismen die Zellteilung ins Visier nehmen und damit auf jede Zelle des Körpers wirken, werden heute auch immer mehr moderne Therapieansätze entwickelt, die sich im Idealfall ausschließlich gegen die speziellen Fähigkeiten der Tumorzellen richten.

Für Patienten ist es heute überlebenswichtig, die eigene Krankheit besser zu verstehen und sich einen Überblick zu verschaffen, welche Therapieverfahren angewandt werden können. Anja Klußmeier gibt Krebspatienten mit diesem Buch in beiden Fälle eine gute Hilfestellung. Es ist gedacht für Patienten und Angehörige, aber auch für alle, die mehr über Krebs wissen wollen.

Buchcover Transformation

Anja Klußmeier: „Transformation – eine Zelle wird zu Krebs“, Verlag tredition, ISBN 978-3-7345-1248-3

 

Über die Autorin

Dr. Anja Klußmeier wurde 1981 in Frankfurt am Main geboren. Da sie schon früh von den Vorgängen in und um den menschlichen Körper fasziniert war, begann sie ein biomedizinisches Studium. An der Universität in Marburg studierte sie Humanbiologie („Theoretische Medizin“). Von tödlichen Viren fasziniert, setzte sie ihren wissenschaftlichen Schwerpunkt zunächst auf die Virologie und fand in den folgenden Jahren in der Onkologie eine neue wissenschaftliche Leidenschaft. An der Berliner Charité suchte sie nach neuen Zielstrukturen für den Einsatz in der Tumordiagnostik und -therapie und spezialisierte sich auf modernste Mikroskopieverfahren (High Content Analyse). 2011 wurde sie für diese Arbeiten von der Freien Universität Berlin in Biochemie promoviert. Durch eine Informationsveranstaltung für Krebspatienten im Zuge eines Trainee in der Onkologie eines großen Pharmaunternehmens entstand schließlich die grundlegende Idee für „Transformation – eine Zelle wird zu Krebs“.

Heute arbeitet Anja Klußmeier in Dresden als Senior Scientist im Bereich „Research & Development“ im DKMS Life Science Lab. Das Team testet und optimiert neue wissenschaftliche Methoden im Rahmen der Spendertypsierung, wie zum Beispiel die Hinzunahme der KIR-Gene bei allen neu registrierten Spendern oder für interne Forschungsprojekte wie die klinischen Studien der DKMS Clinical Trials Unit.

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