Sie sind das Herz der Datei: die registrierten potenziellen und tatsächlichen Stammzellspender der DKMS. Ihre Sicherheit und ihr Wohlergehen stehen immer an oberster Stelle. Eine intensive ärztliche Aufklärung, Beratung und Abklärung vor, während und nach einer Stammzellspende gehören deshalb zum Standard bei der Spenderbetreuung.

Darüber hinaus führen wir, als wissenschaftliche Mitarbeiter und Mediziner der DKMS, eigene Studien im Bereich Stammzellspende und -transplantation durch, um die Sicherheit und Erfolgschancen von Stammzellenspenden noch weiter zu verbessern. Eine solche Studie ist auch das so genannte „Matched Pair“-Spendernachbeobachtungsprogramm.

Die Matched Pair Donor Follow-Up-Studie hilft Spendern.

Worum es dabei geht? Weltweit haben bisher über 1,145 Millionen Stammzelltransplantationen stattgefunden (Quelle: WMDA). Aber immer noch existieren – trotz intensiver Aufklärungsarbeit – diffuse Ängste und Bedenken zur Stammzellspende in den Köpfen der Menschen. Zum Beispiel zu den Risiken des Verfahrens der peripheren Stammzellentnahme, die seit 1988 durchgeführt wird, bei der DKMS seit 1996. Dieses Verfahren wird derzeit bei 80% der Entnahmen angewandt; die restlichen 20% entfallen auf die operative Knochenmarkspende aus dem Beckenknochen. Vor einer peripheren Stammzellspende ist die Behandlung mit einem Medikament nötig, um die Blutstammzellen aus dem Knochenmark in die Blutbahn auszuschwemmen. Gefährliche Langzeitnebenwirkungen dieser Mobilisation mit G-CSF (hormonartiger Stoff, ein so genannter Wachstumsfaktor) sind nach dem heutigen Forschungsstand nicht nachzuweisen. Ebenso bei der Knochenmarkspende aus dem Beckenkamm unter Vollnarkose. Aber auch hier gibt es immer wieder Vorurteile, Ängste und Unkenntnis zu den Risiken.

Matched Pair Studie zur Sicherheit der Stammzellspende

Positive Ergebnisse bauen Vorurteile ab

Um diese zu entkräften, führen wir seit 2009 eine vergleichende Langzeitbeobachtung von Spendern durch. Wenn ein DKMS-Spender Blutstammzellen gespendet hat, wird in der Datenbank nach mindestens zwei weiteren potentiellen Spendern gesucht, die in Alter, Geschlecht und möglichst vielen Gewebemerkmalen (HLA-Merkmalen) mit dem „Echtspender“ übereinstimmen, aber noch nicht selbst gespendet haben. Beide Gruppen werden mittels identischer Gesundheitsfragebögen regelmäßig über mindestens zehn Jahre zu ihrem Befinden und ihrer gesundheitlichen Entwicklung befragt. Die Ergebnisse werden dabei laufend von unseren Ärzten ausgewertet.

Ergebnisse von 21.633 Stammzellspendern ausgewertet.

Im Rahmen des ASH Annual Meetings 2015, des jährlichen Kongresses der American Society of Hematology mit über 25 000 Teilnehmern, durfte ich in Orlando/Florida nun erstmalig Ergebnisse dieser Langzeitstudie vorstellen. Analysiert wurden dafür die Daten aus den ersten fünf Jahren von insgesamt 21 633 Stammzellspendern und 43 910 registrierten Spendern der Kontrollgruppe – ein Datensatz, der in seinem Umfang in der Fachwelt bisher einzigartig ist und eine sehr hohe Aussagekraft hat. Die Teilnahmebereitschaft all unserer Spender an dem Nachbeobachtungsprogramm ist exorbitant gut, so dass wir eine perfekte Grundlage für die statistische Auswertung haben.

Und das ist auch notwendig: noch viel schwieriger als die berühmte Nadel im Heuhaufen zu finden, ist es, mit statistisch einwandfreien Mitteln zu belegen, dass es gar keine Nadel (nämlich Spätschäden) gibt, wenn man sie bisher nicht gefunden hat.

Die bisherigen Ergebnisse sind vielversprechend und positiv zu bewerten. Denn es gibt keine Hinweise auf ein vermehrtes Auftreten (= „Inzidenz“) von bösartigen hämatologischen Erkrankungen und anderen Krebsarten bei freiwilligen Stammzellspendern im direkten Vergleich zur Kontrollgruppe aus registrierten potenziellen Spendern oder zur Normalbevölkerung. Einige Krebsarten treten sowohl bei den tatsächlichen als auch registrierten Spender sogar signifikant seltener auf als in der Normalbevölkerung. Hierbei handelt es sich insbesondere um durch das Verhalten beeinflussbare bösartige Erkrankungen wie Lungenkrebs.

Das bedeutet, dass unsere Spender nicht nur hoch motiviert und zum Zeitpunkt der Spende gesünder sind als der Durchschnitt, wie sich vor allem bei der Voruntersuchung zeigt, sondern offensichtlich auch ein anderes (besseres!) Gesundheitsverhalten und damit auch abweichende Risiken für spätere Erkrankungen aufweisen. Und das ist natürlich sehr erfreulich, bestätigt uns aber darin, wie wichtig unsere groß angelegte Studie mit der speziellen Kontrollgruppe ist, da Vergleiche mit Daten der Standardbevölkerung nur eingeschränkte Aussagekraft haben.

Weitere Informationen zur Matched Pair-Studie finden Sie unter folgendem Link: http://www.bloodjournal.org/content/126/23/269

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